Schützi, der Parteirebell, hat ausgeträumt

16. Juni 2015, 19:20
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Er habe einmal den Traum gehabt, Landeshauptmann zu werden, sagte der frischgewählte Landeschef der Steiermark, Hermann Schützenhöfer, am Dienstag im Landtag sichtlich gerührt. Nun, da er diesen Traum längst nicht mehr hatte, wurde er wahr.

Der neue Landeschef der Steirer ist eigentlich gebürtiger Niederösterreicher. Ein kleiner Schönheitsfehler, den man ihm nachsieht, zog seine Familie doch schon in seiner Jugend in die Oststeiermark, was man ihm bis heute ein bisschen anhört.

Doch zunächst wuchs er als Sohn eines Arbeiters, was er genau so gern wie sein Vorgänger und jahrelang inniger roter "Reformpartner" Franz Voves gern betont, in Edlitz auf. Schützenhöfer, der auch in seiner ersten Rede als Landeshauptmann die katholische Soziallehre lobte, lebte dort als Kind auf einem Pfarrhof, weil sein Vater als Forstarbeiter für die Kirche arbeitete. Schon mit vier war er Ministrant.

Nach Polytechnikum und Kaufmannslehre in einer Greißlerei schrieb er als Nebenjob auch als Lokaljournalist für die Kleine Zeitung. Schon früh begann auch die politische Karriere in der ÖVP. Zuerst bei der JVP, dann beim steirischen ÖAAB, dessen Chef er in der Steiermark lange Jahre war.

Parteiintern war er immer wieder ein Rebell. Er trat schon Mitte der 1980er-Jahre gegen die Parteilinie, für die Gesamtschule, ein, forderte eine Erhöhung des Mindestlohns und 2006 einen Solidarbeitrag für Spitzenverdiener über 70.000 Euro im Jahr. Schützi, wie ihn Freunde wie Gegner nennen, hatte auch keine Freude mit der schwarz-blauen Koalition im Bund.

Was ihn auszeichnet, ist ein Patzen Selbstironie und die Abwesenheit einer Abgebrühtheit, die nach Jahrzehnten in der Politik erwartbar wäre. Das sah man zuletzt, als er sich von seinem Freund Voves, der ihm trotz Platz eins den Chefsessel überließ, unter Tränen verabschiedete.

Ein bisschen erinnert seine Karriere an das Sprichwort mit den Leichen der Feinde, die im Fluss vorübertreiben, während man einfach nur am Ufer sitzt. Denn zu den oststeirischen Kronprinzen um Waltraud Klasnic gehörten einst zwei viel schillerndere Herren: Gerhard Hirschmann und Herbert Paierl. Sie sind politisch gesehen Geschichte. Schützi, der Ruhigste der drei, ist Landeshauptmann.

Seine Frau Marianne, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, nahm es am Dienstag im Landtag gelassen. Er werde halt jetzt auch viel arbeiten - so wie bisher. (Colette M. Schmidt, 17.6.2015)

  • Hermann Schützenhöfer (53), neuer Landeshauptmann der Steirer.
    foto: apa

    Hermann Schützenhöfer (53), neuer Landeshauptmann der Steirer.

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