Kulterers Traktoren landeten bei Hypo-Kreditnehmer

17. Juni 2015, 05:30
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Der Exbanker fühlt sich von Geschäftspartnern in der Causa Puris hereingelegt. Man habe Unterschriften von ihm ergaunert

Die Hypo-Causa Puris hat zuletzt den U-Ausschuss intensiv beschäftigt. Es besteht der Verdacht, dass Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer Kickbackzahlungen über die Beratungsgesellschaft WBG bekommen hat bzw. selbst hinter der von der Hypo finanzierten Geflügelfirma gestanden ist.

Kulterer selbst bestreitet den Vorwurf. Er sagt, dass die WBG (an ihr war seine Exfrau und sein Freund Gerhard Prasser beteiligt, ab 2006 auch Kulterer selbst) Mitarbeiter in den Puris-Vorstand entsandt hatte. Mit diesen Entsendungen ließen sich die Geldflüsse an die WBG erklären. Die Puris-Kredite, die für den Ankauf und die (nie gelungene) Sanierung flossen, mussten von der Hypo später abgeschrieben werden. Laut Entsendungsverträgen der WBG (sie liegen dem STANDARD vor) wurden ab 2002 die Österreicher Olav N. und Roland M. zur Puris ins kroatische Pazin geschickt. Netto haben die beiden demnach je 4400 Euro pro Monat verdient, sozialversichert blieben sie in Österreich.

Steuerrechtlich begleitet habe diese Entsendungsaufträge Wirtschaftsprüfungskanzlei Confida, erklärt Kulterers Anwältin, Ulrike Pöchinger. Die Confida war damals allerdings auch Wirtschaftsprüferin der Hypo Alpe Adria. Sie hat also die Bilanzen der Bank testiert und das "Personalbereitstellungsmodell der WBG entwickelt" (Anwältin Pöchinger). Jener WBG, an der die damalige Ehefrau des Hypo-Chefs beteiligt war und die Personal in die von der Hypo-finanzierte Puris geschickt hat.

Zudem war Confida laut Kulterers Anwältin auch in die Übernahme der kroatischen Puris durch die Klagenfurter Puris GmbH 2002 eingebunden. Auch dieser Deal wurde mit Hypo-Krediten finanziert. Die österreichische Puris gehörte zunächst Prasser, später stiegen IEK und liechtensteinische Anstalt Oziris ein. An der IEK war laut Hypo-Anzeige Kulterer beteiligt. 2006 hat die Hypo die Puris GmbH aufgefangen, um einen Euro gekauft.

Kulterer selbst bestreitet, an Puris-Gesellschafterin IEK beteiligt gewesen zu sein. Die Depotverträge für die IEK-Aktien, die ihm zugerechnet werden (sie lagen in einem anonymen Wertpapierdepot der Sparkasse Bludenz in Lech am Arlberg), seien ihm von seinen Geschäftspartnern zur Unterschrift untergejubelt worden.

Und wie erklärt Kulterers Anwältin das Faktum, dass auf dem Gelände der Puris in Pazin Traktoren unterwegs waren, die Schilder mit seinem Namen und seiner Kärntner Adresse trugen?

Kulterer, der ja großen landwirtschaftlichen Besitz in Kärnten hatte, habe damals seine eigenen Traktoren beim Lagerhaus gegen neuere Modelle eingetauscht. Das habe er den Puris-Managern erzählt, die diese Traktoren daraufhin gekauft und nach Kroatien geholt hätten. Eine schräge Geschichte, allerdings finden sich in der Puris-Buchhaltung Belege, wonach 2003 rund 1680 Euro für die "Überstellung von Traktoren" nach Pazin bezahlt worden sind. (Renate Graber, 17.6.2015)

  • Beim Hypo-U-Ausschuss spielen selbst Traktoren eine Rolle in der Causa Puris.
    foto: martin schutt

    Beim Hypo-U-Ausschuss spielen selbst Traktoren eine Rolle in der Causa Puris.

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