Airbus plant Raketen-Recycling

17. Juni 2015, 11:06
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Trägerraketen europäischer Hersteller sollen wiederverwertet werden. Das soll das Satellitengeschäft verbilligen und nachhaltiger machen

Es ist kein Flugzeug und keine Rakete, keine Drohne und kein Ufo. Aber es fliegt – hoffentlich. Airbus-Ingenieure haben in den letzten fünf Jahren unter strengster Geheimhaltung über dem Projekt "Adeline" gebrütet. An der Luftfahrtmesse in Le Bourget stellen sie es erstmals einem breiten Publikum vor. Sinn und Zweck ist es, zumindest teilweise die Wiederverwertung von Trägerraketen zu ermöglichen. "Das wird den Weltraumschrott stark verringern", meint der technische Direktor von Airbus Space and Defence, Hervé Gilibert. "Und damit auch die Kosten eines Satellitenabschusses."

Weltraumingenieure tüfteln seit den Neunzigerjahren vielerorts an einer funktionierenden Recycling-Rakete. Die technischen Hürden sind aber gewaltig. Ein Satellitenträger, der nach der Aussetzung der Last auf die Erde zurückkehren soll, saust laut Gilibert mit Mach 7 oder 8 (das heißt, mit mehreren tausend Stundenkilometern) in die Atmosphäre – wo er angesichts der entwickelten Temperaturen schlicht verglüht. Also benötigt er einen ungeheuer starken Schutzschild. Und wegen der Luftwiderstände so viel Treibstoff, dass die übergewichtige Rakete gar keine schweren Satelliten mehr hochstemmen kann.

Wie das Projekt Adeline funktionieren soll

Der zunehmende Bedarf an Satelliten lässt der Branche aber keine Ruhe. Das in den Markt drängende US-Unternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk (Paypal, Tesla) versucht seit längerem, ganze Raketen heil auf die Erde zurückzubringen. Bei zwei Versuchen zerschellte der Weltraumflieger aber bei der Rückkehr auf der Startrampe im Ozean. Die europäischen Techniker hatten in ihren Labors in Les Mureaux (bei Paris) eine andere Idee: Sie bringen nur die wichtigsten – sprich: teuersten – Teile der Rakete zur Erde zurück. Das reduziert den Treibstoffbedarf und lässt eine höhere Nutzlast zulässt.

Und so funktioniert Adeline. Der Raketenstart mit dem oder den Satelliten beginnt wie gehabt. In einer Höhe von 100 bis 200 Kilometern fällt sodann die untere Stufe der Rakete ab, während die Oberstufe die Satellitenfracht an ihren Platz im Orbit bringt. Normalerweise würde die untere Stufe als Weltraumschrott im All verbleiben oder verglühen.

Anders nach dem Adeline-Verfahren. "Unsere Idee war es, die wichtigsten Elemente wie den Vulcain-Motor und die Elektronik in der Unterstufe zu platzieren und diese zurückzuholen", meint Gilibert. Diese Unterstufe, die sich in das Adeline-Modul verwandelt, ist auch sonst sehr speziell: Sie hat Flügel, zwei kleine Propeller und ein winziges ausfahrbares Fahrwerk. Sie gleicht einer dicken Patrone auf Zündhölzern und soll nach erfolgreichem Durchqueren der Atmosphäre wie ein Flugzeug auf einer Piste im europäischen Weltraumzentrum Kourou in Französisch-Guayana landen.

Noch ist das Zukunftsmusik. "Wir haben mit kleineren Modellen schon erfolgreiche Versuchsflüge in französischen Militärbasen absolviert, aber noch nicht im Maßstab 1:1. Für die neue Generation der Ariane-6-Rakete wird es nicht mehr reichen", meint Gilibert. "Wir rechnen mit einem Ersteinsatz gegen 2025."

Space X lässt nicht locker

Zuvor müssen noch die Mitgliedstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur Esa überzeugt werden. Das doppelte Umwelt- und Finanzargument dürfte aber wirken. Zumal die Konkurrenz nicht schläft; gut möglich, dass die amerikanische SpaceX die äußerst labile Landung ihrer Raketen im Rückwärtsgang doch noch meistert. Das würde die Vormachtstellung des europäischen Ariane-Programms auf einen Schlag ernsthaft gefährden.

Die Wiederverwertung des Abschussmaterials kann die Kosten für einen Satellitenstart laut Gilibert um 30 Prozent senken. Das könnte zukunftsentscheidend sein für die Euro-Rakete, die mit Kosten von 150 Millionen Euro pro Flug schon heute das teuerste Vehikel für Satellitenbetreiber ist.

Dabei zeigt die Luftfahrtmesse, dass der Trend zu kleineren und billigeren Satelliten geht. Das US-Unternehmen Oneweb hat in Le Bourget zusammen mit Airbus Pläne für den Abschuss von 900 Satelliten vorgestellt. Ziel ist eine weltumspannende Internetversorgung bis in die entlegensten Winkel. Die Satelliten sind nur rund einen Meter hoch und wiegen bloß 150 Kilogramm. (Stefan Brändle aus Le Bourget, 17.6.2015)

  • Airbus will Trägerraketen für Satelliten herstellen, die nach dem Abschuss nicht einfach nur im All verglühen.
    foto: ap / sankar

    Airbus will Trägerraketen für Satelliten herstellen, die nach dem Abschuss nicht einfach nur im All verglühen.

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