Unrealistische Filmszenarien: Die Hacker von Hollywood

22. Juni 2015, 15:51
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Computerwissenschafter: Selten geht es in der Informatik so einfach zu wie im Kino dargestellt

Wien – Im Kino gelten eigene Gesetze, und so ist dort vieles möglich, was in der Realität nicht funktionieren würde. Diesem Sachverhalt widmete man sich vergangene Woche auf der 40. Jahrestagung der Österreichischen Computer-Gesellschaft, die im Zuge der Veranstaltungswoche "Imagine Bits of Tomorrow" stattfand: Adrian Dabrowski und Aljosha Judmayer zeigten in einem kurzweiligen Referat, wie uns aus der Sicht der Informatik Hollywood einen Bären aufbindet.

Die beiden Informatiker von der Technischen Universität Wien sind am Forschungszentrum für IT-Sicherheit SBA Research beschäftigt, das vom Comet-Programm des Verkehrs- sowie des Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums unterstützt wird.

Dabrowski und Judmayer unternahmen einen Spaziergang durch die jüngere Filmgeschichte und erklärten, weshalb die Darstellung von Programmiervorgängen im Kino häufig ein gehöriger Schmarrn ist. Ihr Vortrag war dabei auch eine Einführung in die typische Bildsprache für informatische Vorgänge im Film: Wenn Hollywood einen Hacker (gerne mit unpraktischen Lederhandschuhen bekleidet) angreifen lässt, dann erscheinen auf dem betroffenen Rechner meist zahlreiche Pop-ups oder eine rote Verfärbung der Programmcodes.

Im echten Informatikerleben ist es aber unwahrscheinlich, dass eine Cyberattacke so aussieht: "Das Letzte, was ein Hacker machen möchte, ist Alarm schlagen", sagte Dabrowski.

Der Nerd als Held

Ähnlich unrealistisch seien daher auch Fortschrittsbalken und andere für den Spannungsaufbau nötige Modelle, die anzeigen, wie weit der Angreifer das System bereits in seine Gewalt gebracht hat. Dabrowski: "Man ist ja auch nicht ein bisschen schwanger. Entweder hat der Angreifer das System übernommen oder eben nicht."

Im Film sind die Dinge manchmal sehr einfach, und so ist der Nerd ganz plötzlich der Held des Tages: Dass man mit einem selbstgeschriebenen Programm das andersartige Betriebssystem eines außerirdischen Raumschiffs kapern kann, wie es in Independence Day geschieht, bezweifelte Judmayer: "Jeder, der schon einmal versucht hat, Daten zwischen Mac und PC Daten auszutauschen, weiß, wie schwierig es ist, zwei Betriebssysteme zusammenzubringen. Vielleicht sind diese Aliens aber auch nur besonders fortschrittlich und besitzen ein System, das mit allen anderen im Universum kompatibel ist."

Dass amerikanische Filmemacher bei der Darstellung von Gegenständen der Informatik wirklich immer daneben liegen, so weit wollten Dabrowski und Judmayer aber nicht gehen. So sei Jurassic Park sehr visionär gewesen – nicht im Hinblick auf die Wiederbelebung von Dinosauriern, aber hinsichtlich des Einsatzes des Betriebssystems Unix: Beim Erscheinen des Films 1993 war es ein Außenseiter in dem Rennen, das Mac OS und Windows bestimmten. Heute ist es in Form von Apples OS X und Android zu einem bestimmenden Betriebssystem der Welt geworden.

Rambo-Fantasien

Auch den im Film so beliebten Einbruch in ein System via USB-Stick verwiesen die Computerwissenschafter nicht ins Reich der Informatikersagen: Mit einer sogenannten "Rubber Duck" sei das durchaus möglich: Dieser Stick meldet sich im System als Tastatur an und führt dann automatisch vorprogrammierte Eingaben aus.

Am Ende dieser Ausführungen stand die Erkenntnis, dass es in der Informatik selten so einfach zugeht, wie man es im Kino sieht und es sich häufig auch wünscht. Die Vortragenden entließen das Publikum mit der Wunschfantasie des geplagten Computernutzers: auf den unzuverlässigen Rechner mit dem Maschinengewehr zu feuern wie Sylvester Stallone in Rambo II – das haben sich wahrscheinlich schon viele User gewünscht. (lau, DER STANDARD, 22.6.2015)

  • Nicht die Wiederbelebung der Dinos, sondern das Betriebssystem Unix machte den Film "Jurassic Park" zur informatischen Vision.
    foto: foto: reuters / universal studios

    Nicht die Wiederbelebung der Dinos, sondern das Betriebssystem Unix machte den Film "Jurassic Park" zur informatischen Vision.

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