Der Balanceakt im Stromkabel

21. Juni 2015, 12:00
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Fabian Knirsch testet intelligente Energieversorgung auf Informationssicherheit

Damit Strom aus der Steckdose kommt, braucht es eine feine Abstimmung zwischen Stromverbrauch und Stromerzeugung. Erneuerbare Energien vom norddeutschen Windpark bis zum Solarpaneel am Hausdach stellen das Gleichgewicht im Stromnetz nun vor neue Herausforderungen. Fabian Knirsch vom Josef-Ressel-Zentrum der Fachhochschule Salzburg forscht zugunsten der kleinsten Einheit im großen Netz: des Nutzers. Denn der nimmt in der Stromversorgung der Zukunft eine aktivere Rolle ein als bisher.

Im sogenannten Smart Grid wäscht er seine Wäsche dann, wenn die Sonne scheint, oder lädt das Elektroauto bei ausreichender Windstärke auf. Das intelligente Stromnetz hilft dabei: Bei Engpässen fragt das System, ob der Nutzer nicht doch die Wärmepumpe abschalten oder den Geschirrspüler später verwenden möchte.

"Dadurch können sensible Daten ausgetauscht werden", sagt der 25-Jährige. Die Messung des Stromverbrauchs mit modernen Stromzählern legt offen, wann wir aufstehen oder das Haus verlassen. Darum hat Knirsch es sich zur Aufgabe gemacht, die Daten des Einzelnen mit Privacy-Enhancing Technologies zu schützen.

Für seine Masterarbeit des FH-Studiums Informationstechnik und System-Management ging der Informatiker an die University of Southern California. Er forschte in nächster Nähe zu einem der ersten Microgrids, einem kleinen intelligenten Stromnetz. Heraus kam ein System, das typische Anwendungsfälle des neuen Stromnetzes im Modell nach ihrer Sicherheit einstuft und Gefahren für den Datenschutz nachspürt.

Mit einem ähnlichen Ansatz gewann sein Forschungsteam an der FH Salzburg den Best Paper Award der International Conference in Information Systems Security and Privacy. Die Wissenschafter modellierten die Informationsflüsse zwischen dem Verbraucher, dem Erzeuger und den Schaltstellen und entdeckten mögliche Sicherheitsrisiken. Die Lösung für Probleme liefert das System automatisch mit. Zum Beispiel können Daten der ganzen Nachbarschaft summiert werden oder mithilfe eines Algorithmus verrauscht. Dann stimmen sie zwar statistisch, verschweigen aber den genauen Stromverbrauch des Einzelnen.

Der Weg in die Informatik verlief für Knirsch ohne Umschweife. Bereits mit 14 Jahren begann der Salzburger zu programmieren. Nach mehr als zehn Jahren Erfahrung in diesem Bereich steht nun mit dem ehemaligen Studienkollegen Oliver Langthaler die Gründung eines Start-up-Unternehmens an. Nicht das Stromnetz, sondern das Haus soll beim Unternehmen Cappatec "smart" gestaltet werden und den Solarstrom vom eigenen Dach verbrauchen. Hinter dem Geschäftsmodell steht auch ein Wandel in der Energiepolitik: "Es ist absehbar, dass die Einspeisung von Solarstrom in Zukunft weniger subventioniert sein wird", sagt Knirsch.

Seine Arbeit ist für den Informatiker immer ein Balanceakt - zwischen Transparenz für den Nutzer und Datenschutz vor der Öffentlichkeit. Das Haus der Zukunft wird die Gewohnheiten des Einzelnen und den Strompreis genauso wie die Wetterlage der nächsten Tage berücksichtigen müssen. Alles, damit weiterhin Strom aus der Steckdose fließt - und der Fluss der Daten in den richtigen Bahnen verläuft. (Marlis Stubenvoll, DER STANDARD, 21.6.2015)

  • Fabian Knirsch ist dabei, ein Start-up zu gründen - für smarten Solarstromverbrauch.
    foto: fh salzburg / lagler / knirsch

    Fabian Knirsch ist dabei, ein Start-up zu gründen - für smarten Solarstromverbrauch.

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