Studie: Pollenflug beeinflusst Neurodermitis

16. Juni 2015, 16:14
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Der Gräserpollenflug hat einen Einfluss auf Neurodermitis. Laut einer Studie zeigten Betroffene ein deutlich verschlechtertes Krankheitsbild

Neurodermitis ist eine quälend juckende Hauterkrankung, deren Häufigkeit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Ihre Behandlung ist nach wie vor besonders schwierig, da die Faktoren, die die Krankheit auslösen individuell sehr unterschiedlich sind.

In einer Studie im Pollenprovokationsraum des Fraunhofer Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) konnte nun nachgewiesen werden, dass Gräserpollen – wie sie auf einer natürlichen Sommerwiese fliegen –, das Hautbild von Neurodermitispatienten innerhalb von Stunden signifikant verschlechtern.

Im Labor wurde gezeigt, dass im Blut dieser Patienten Marker für allergische Entzündungen anstiegen. Dabei wurden Probanden mit Neurodermitis in den Fraunhofer-Pollenprovokationsraum, auf die sogenannte "Wiese im Labor", gesetzt. Das Ergebnis: Die Untersuchungsteilnehmer reagierten mit deutlich sichtbaren Schüben der Neurodermitis.

Neue Behandlungsform

Ob die Pollenprovokation für die Entwicklung von neuartigen Wirkstoffen für Immuntherapien von Neurodermitispatienten infrage kommt, wollen die Forscher nun weiter untersuchen.

Die derzeit verfügbaren Therapien zur Behandlung der Neurodermitis zielen darauf ab, die Entzündungsreaktion mit breit wirksamen Medikamenten wie Kortikosteroiden zu unterdrücken. Ein gänzlich neuer Weg könnte mit einer neuartigen Behandlungsform beschritten werden: Mit der Verwendung von DNA-Zymen – synthetischen DNA-Molekülen mit Enzymaktivität.

Weitere Forschung

Das Forscherteam hatte sich mit einem DNA-Zym als Therapeutikum bereits in einem anderen Forschungsprojekt beschäftigt. Dabei ging es um die Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit des DNA-Zym-Wirkstoffs zur Behandlung des allergischen Asthmas. Der Wirkstoff mit der Bezeichnung "SB010" basiert auf der Hemmung des Transkriptionsfaktors GATA-3, der für Entzündungsreaktionen und damit einhergehende Symptome verantwortlich ist.

Das Ergebnis: Eine 28-tägige Behandlung mit "SB010" führte im Vergleich zu Placebo nach spezifischer Allergenprovokation zu einer signifikanten Verbesserung der Lungenfunktion. "SB010" erwies sich außerdem als sicher und gut verträglich, betonen die Forscher.

Ob das DNA-Zym "SB010" auch für eine Therapie der Neurodermitis eingesetzt werden kann, wird nun in der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht. (red, 16.6.2015)

  • Am Fraunhofer ITEM haben die Wissenschaftler für klinische Studien zu allergischen Erkrankungen die Wiese ins Labor geholt. – Das heißt, im Pollenraum herrscht ganzjährig Heuschnupfenzeit.
    foto: ralf mohr/fraunhofer item

    Am Fraunhofer ITEM haben die Wissenschaftler für klinische Studien zu allergischen Erkrankungen die Wiese ins Labor geholt. – Das heißt, im Pollenraum herrscht ganzjährig Heuschnupfenzeit.

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