Mehr Bierraritäten bitte!

Kolumne25. Juni 2015, 10:25
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Brauer experimentieren mit raren Bieren - trauen sie sich keinen größeren Absatz zu?

Es gibt Bücher, deren Autoren froh sind, dass sie 550 Käufer gefunden haben. Aber Bieretiketten? Die druckt man zu Zehntausenden wenn nicht gar in Millionenauflage.

Für das neue Bier der Zwettler Brauerei aber hat Braumeister Heinz Wasner gerade 550 Etiketten ordern können. Denn es gibt einfach nicht mehr Flaschen von seinem "Singlemalt Oaked". Dahinter steckt der Doppelbock "Momentum", der im vorigen Herbst als Spezialität aus der Waldviertler Brauerei angeboten wurde – wobei Wasner eine kleine Menge beiseitegeschafft hat, um sie in einem Bourbon-Fass nachreifen zu lassen.

Aromen gewonnen

Nach einem halben Jahr im Holzfass hat das kastanienfarbene Bier ein wenig an Rezenz verloren, dafür aber erheblich an Alkoholgehalt (von 7,8 auf 11,7 Volumenprozent) zugelegt und zum schon vorher vorhandenen Zwetschkenkrampus-Aroma auch noch an Vanille und Kakao erinnernde Aromen dazugewonnen, man fühlt sich, wenn man das Bier im Glas langsam wärmer werden lässt, beim Genuss an Rumpflaumen erinnert.

Nun gibt es das Bier also in Flaschen, 0,3 Liter um (dem Herstellungs- und Abfüllaufwand durchaus angemessene) 9,90 Euro im Zwettler Biershop. Warum aber so wenig davon? Man würde sich wünschen, dass sich die Brauer an größere Mengen heranwagen. (Conrad Seidl, Rondo, 25.6.2015)

  • Singlemalt Oaked – nur 550 Flaschen wurden abgefüllt.
    foto: conrad seidl

    Singlemalt Oaked – nur 550 Flaschen wurden abgefüllt.

  • Artikelbild
    foto: conrad seidl
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