Kokoskuppel: Zukunft mit Biss

16. Juni 2015, 13:45
40 Postings

Eine Namensgleichheit hatte kurzzeitig für Verwirrung gesorgt, doch die Kokoskuppel lebt – und das schon seit fast 100 Jahren

Erinnerungen an die Schwedenbombe werden wach. In einer Aussendung vermeldet die Creditreform das Aus von Blaschke. Nur Momente später formiert sich auf Twitter bereits eine Fan-Gemeinde mit dem Aufruf "Rettet die Kokoskuppel". Fast ebenso schnell reagiert das Unternehmen Spitz, zu dem Auer-Blaschke seit 2013 gehört: "… die Blaschke Kokoskuppel muss nicht gerettet werden! Es geht ihr bei der Auer-Blaschke GmbH & Co KG sehr gut. Bei der Aussendung (…) handelt es sich um eine Falschmeldung", heißt es auf der Firmen-Website. Die bekannt gewordene Insolvenz betrifft die Blaschke Konditorei aus Linz, nicht aber den niederösterreichischen Kokoskuppel-Hersteller mit Sitz in Spillern.

Die vermeintliche Totsagung sieht Auer-Blaschke-Geschäftsführer Josef Mayer vorrangig mit einem weinenden und erst dann mit einem lachenden Auge. Den Konkurs der Konditorei bedauert er zutiefst. Man kenne sich, man sei befreundet. "Was uns betrifft, so werden wir es überleben. Eine Institution öffentlichen Rechts wie es Österreichische Verband Creditreform ist, sollte sich allerdings schon fragen, wie qualitativ ihre Arbeit ist, wenn solche Schlampereien passieren", so Mayer im Gespräch mit dem STANDARD.

Seit der niederländische Backwarenkonzern Continental Bakeries Auer Blaschke inklusive der 60 Mitarbeiter abgestoßen hat, wurde kräftig umgerührt. Man sparte nicht an Investitionen, krempelte die Organisation um, und legte besonderes Augenmerk auf die Schulung des Personals. Heute sei die Spitz-Sparte wirtschaftlich so gut aufgestellt, dass man mit der Lieferung kaum nachkomme. Im laufenden Monat liegt das Unternehmen mit Auer- und Blaschkeprodukten bereits 50 Prozent über Plan, mit der Kokoskuppel allein sind es sogar 120 Prozent.

Makronen versus Kokoskuppel

Mit der Vermarktung im Ausland hapert es allerdings noch ein bisschen. In Deutschland "Makronen" genannt, kann man dort wenig mit der typisch österreichischen Bezeichnung anfangen, meint Mayer. Ganz zu schweigen von den Märkten außerhalb des deutschsprachigen Raums. Doch es gebe Pläne, die Kokoskuppel auslandstauglich zu machen. Wie diese aussehen, ob sich auch der Name verändern soll, will Mayer nicht verraten. Sachertortenecken der Marke Auer dagegen schlagen sich sehr gut, sind ein Exporthit und haben es bis nach Asien geschafft. Die Exportquote aller Spitz-Produkte liegt bei knapp 50 Prozent.

Und die Palette ist breit: Wurden im Gründungsjahr 1857 bei Spitz noch Rum, Schnaps und Liköre produziert, wurde das Sortiment in den folgenden Jahrzehnten sukzessive erweitert und aufgefettet: Es folgten unter anderem Fruchtsäfte, Marmeladen, Senf und Ketchup, Kuchen, Biskotten, Waffeln oder der Energy-Drink "Power Horse". 1.100 Produkte sind es heute, und es sollen mehr werden. Ein Schritt nach dem anderen, beschreibt Mayer die Unternehmensstrategie. Man gehe nicht auf Einkaufstour, aber man prüfe, sollte sich etwas ergeben: "Damit sind wir in den letzten 155 Jahren gut gefahren und wollen es auch noch weitere 155 Jahre tun."

Kokos und Frucht

So kommen regelmäßig neue Produkte hinzu. Ausbaufähig ist dabei einmal mehr die Kokoskuppel: Seit rund einem Jahr tummeln sich Minis mit Fruchtgeschmack in den Regalen der österreichischen Supermärkte, die im Übrigen allesamt von Spitz beliefert werden, wobei der Diskonter Hofer einer der größten Abnehmer ist. 244 Millionen Euro Umsatz brachte das Spitz im vergangenen Jahr. Mit ein Grund, nicht am Standort Österreich zu rütteln. "Die heimischen Lebensmittelproduktion hat international einen hervorragenden Ruf", so Mayer. Zudem sei der Firmensitz in Attnang-Puchheim lange gewachsen und verfüge heute über die optimale Infrastruktur und erlaube eine möglichst umweltverträgliche Produktion.

Zurück zur Kokoskuppel. Auch sie strotzt nur so vor Tradition: 1902 erblickte ihre Urform, das Kokosbusserl, in der von Johann Blaschke gegründeten Konditorei das Licht der Welt. Der Legende nach soll knapp 20 Jahre später eine Kundin eben dieses in schokoladiger Ummantelung bestellt haben. Versuch des Konditormeisters folgte auf Irrtum und Irrtum auf Versuch, bis endlich 1921 die Komposition fertig war. An dem Rezept der "Original-Kokoskuppel" aus dem Jahr 1921 hat sich bis heute nichts verändert.

Mit Blick in die Zukunft meint Mayer: "Es ist noch einiges in der Pipeline." Und mit Blick in die nahe Vergangenheit: "Ein Leben ohne Kokoskuppel wäre schrecklich." (ch, 16.6.2015)

  • Die Kokoskuppel hat bereits Generationen begleitet.
    foto: standard/otto beigelbeck

    Die Kokoskuppel hat bereits Generationen begleitet.

Share if you care.