Japanische Infektionskrankheit bedroht heimische Karpfen

16. Juni 2015, 12:47
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Erreger der meist tödlichen "Schlafkrankheit" dürfte durch den internationalen Handel mit Kois eingeschleppt worden sein

Wien - Zier- und Speisekarpfen sind in Österreich von einer "Schlafkrankheit" betroffen. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität wiesen den lange Zeit nur in Japan bekannten "Carp Edema" oder "Koi sleep disease Virus" (CEV/KSDV) erstmals auch bei heimischen Tieren nach.

Die in den 1970er-Jahren in Japan aufgetretene Krankheit macht die Fische träge und schläfrig, sie liegen meist reglos am Boden des Beckens und verhalten sich apathisch. Typische Symptome sind auch eingefallene Augen, Hautveränderungen und angeschwollene Kiemen. Bei schweren Verläufen wird das Kiemengewebe so stark beeinträchtigt, dass die Atmung schwer beeinträchtigt wird. In bis zu 80 Prozent der Fälle ende die Infektion tödlich, heißt es in einer Aussendung der Uni.

Kois und Speisekarpfen betroffen

Den Sprung nach Europa schaffte die offenbar Krankheit schon vor einiger Zeit. Verantwortlich dafür dürfte der weltweite Handel mit Kois, japanischen Zierkarpfen, sein. Eva Lewisch und ihre Kollegen von der Klinischen Abteilung für Fischmedizin diagnostizierten die Krankheit nun auch bei Kois und Speisekarpfen in Österreich und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "Transboundary and Emerging Diseases".

Der Nachweis wurde durch molekularbiologische Untersuchungen erbracht, nachdem herkömmliche Untersuchungsmethoden versagt hatten. "Um welchen Erreger es sich tatsächlich handelt, ist noch nicht vollkommen geklärt. Elektronenmikroskopische Aufnahmen deuten jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Carp Edema Virus um ein pockenähnliches Virus handeln könnte", so Lewisch.

Anpassungsfähiges Virus

Die Verbreitung sei möglicherweise bereits relativ weit fortgeschritten. Die "Schlafkrankheit" könnte auch eine Rolle beim vermehrt beobachteten Karpfensterben im Frühjahr spielen. Ob es regionale Unterschiede gibt, könne man noch nicht sagen, erklärte die Forscherin.

Zu einem Ausbruch kommt es wahrscheinlich durch belastende Umweltfaktoren wie kritische Temperaturen oder Stress. In Europa leben Karpfen bei sieben bis 15 Grad Celsius Wassertemperatur. In Japan liegt die Wassertemperatur in Koi-Teichen weit höher. Offensichtlich erkranken die Fische in Europa also bei niedrigeren Temperaturen als Koi in Asien. Das Virus habe sich scheinbar an europäische Bedingungen angepasst, so Lewisch. (APA, 16.6.2015)

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