Morsis Todesurteil bestätigt – und dazu noch lebenslang

16. Juni 2015, 23:17
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Muslimbrüder rufen zu Rache an Richtern und Soldaten auf

Kairo - Trotz internationaler Kritik und nach Begutachtung durch den Mufti hat ein Gericht in Kairo ein im Mai ausgesprochenes Todesurteil gegen den entmachteten Ex-Präsidenten Mohammed Morsi und mehrere seiner engsten Mitstreiter bestätigt.

Sie waren beschuldigt worden, während der Wirren der Revolution im Jänner 2011 einen Gefängnisausbruch organisiert und dabei auch mit der Hamas und der Hisbollah zusammengearbeitet zu haben. Amnesty International nannte im Mai den Prozess eine Farce. In einem anderen Verfahren erhielt Morsi am Dienstag zudem eine weitere lebenslängliche Gefängnisstrafe wegen Spionage.

Die Muslimbrüder sprachen in einer ersten Reaktion von einem politischen Urteil. Ein Sprecher US-Präsident Obamas sagte, man sei "zutiefst beunruhigt über die politisch motivierten Urteile gegen den früheren Präsidenten Morsi" .

Racheaufrufe

Gegen das Todesurteil durch den Strick kann noch Berufung eingelegt werden. Es könnte noch Jahre dauern, bis es rechtskräftig wird. Dennoch ist der Richterspruch ein weiterer Beleg dafür, dass die neue Führung in Kairo an ihrer harten Haltung gegenüber den Islamisten festhält. Es birgt auch die Gefahr, dass die Radikalisierung der Muslimbrüder, insbesondere der jungen Generation zunehmen könnte. Kürzlich hat eine Gruppe junger Muslimbrüder dazu aufgerufen, sich an Richtern und Soldaten zu rächen. Die Sicherheitskräfte hatten am Dienstag ihre Präsenz vor allem in den Touristenregionen auf dem Sinai massiv verstärkt. (Astrid Frefel aus Kairo, 17.6.2015)

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    foto: apa/epa/elfiqi

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