Weiße gab sich als Schwarze aus: Rücktritt von US-Bürgerrechtlerin

16. Juni 2015, 11:26
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Druck nach Veröffentlichung von Kindheitsfotos und Geburtsurkunde offenbar zu groß

Los Angeles/Wien - Die 37-jährige Amerikanerin Rachel Dolezal kämpfte für die Rechte der Schwarzen in den USA. Sie war Vorsitzende des lokalen Ablegers der Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) in der Stadt Spokane im Bundesstaat Washington. Als Frau mit dunkler Haut und schwarzen Locken ist sie in der Öffentlichkeit bekannt. Nur: Die Frau ist überhaupt nicht schwarz.

In der vergangenen Woche ist bekanntgeworden, dass sich Dolezal, das Kind weißer Eltern, ihre Haut braun geschminkt hatte. Der Fall löste solch eine Debatte in der Öffentlichkeit und innerhalb der Organisation aus, dass sie nun ihr Amt niederlegte. Vor dem NAACP-Büro in Spokane demonstrierten am Montag mehrere Personen mit Plakaten mit der Aufschrift "Integrity Matters" - "Integrität bedeutet etwas".

Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die 37-Jährige: "Die Debatte konzentriert sich unerwartet auf meine persönliche Identität im Zusammenhang mit der Definition von Rasse und Ethnie." Zwar wird für den NAACP-Posten nicht vorausgesetzt, dass man schwarz ist, doch war der interne Druck auf Dolezal offenbar groß. "Ich habe der NAACP-Führung auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene immer den Vortritt gelassen und danke für deren standhafte Unterstützung in diesem unerwarteten Feuersturm", schrieb Dolezal. Ihren Einsatz für Gerechtigkeit wolle sie aber fortsetzen.

Weißes, blondes Mädchen

Sie hatte auf Formularen immer wieder angekreuzt, dass sie "African American" sei, und im Internet das Bild eines schwarzen Mannes veröffentlicht, der ihr Vater sein soll. Ihre leiblichen Eltern aber zeigten den Medien die Geburtsurkunde ihrer Tochter und dazu Kindheitsfotos, die Dolezal als weißes, blondes Mädchen zeigen.

Ihre Mutter Ruth bekräftigte ihre Einschätzung, dass die Tochter "ihre eigene Identität leugnet". Sie sei überzeugt, dass eine psychologische Beratung nötig sei. Dolezal brauche "Hilfe, um mit ihren persönlichen Angelegenheiten klarzukommen", sagte die Mutter im Fernsehsender ABC News. (red, 16.6.2015)

  • Rachel Dolezal soll eigentlich weiß sein.
    foto: colin mulvany/the spokesman-review via ap

    Rachel Dolezal soll eigentlich weiß sein.

  • Demonstranten vor dem Büro der NAACP in Spokane.
    foto: reuters/david ryder

    Demonstranten vor dem Büro der NAACP in Spokane.

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