Der Schlapfen: Bequemlichkeit kennt keinen Absatz

Kolumne17. Juni 2015, 09:00
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Im letzten Sommer machte der Schlapfen mit dem Socken gemeinsame Sache. Heuer schafft er es auch im Alleingang

Sie heißen Lenny, Gail und Holden, und sie machen seit einigen Monaten die Frauen verrückt. Isabel Marants flache Schlapfenmodelle mit den fantasievollen Vornamen stechen der modebewussten Frau mitten ins Herz. Und das schon seit einigen Saisonen. Die französische Designerin scheint mit ihren populären Modellen zum Reinschlüpfen nicht erst einem bestehenden Bedürfnis nachgegeben zu haben, sondern die Nachfrage noch immer zu befeuern.

2014 war bereits das Jahr der Marant-Schlapfen, Plastik-Adiletten und Birkenstock-Fußbetten, ein Jahr zuvor hat Céline ein ähnliches Modell mit Pelz ausgepolstert. Und in diesem Sommer? Ist noch immer keine wesentliche Neuausrichtung in Sicht. Frauen wollen ein, zwei Riemen überm Fußrist, und sie wollen flache Sohlen. Und damit vielleicht ein Statement setzen. Das ist nach all den Diskussionen während des diesjährigen Filmfestivals in Cannes über eine vermeintliche hohe Hackenpflicht auf dem roten Teppich auch längst überfällig.

foto: reuters/fuentes
Mit Pelz gepolsterte Schlapfen von Céline.

Dabei hatte der eine oder andere prominente Fuß doch schon unübersehbar flache Signale ausgesendet. Katy Perry zum Beispiel. Sie saß Anfang dieses Jahres während der Los Angeles Awards mit pinken Adiletten von Jeremy Scott nicht irgendwo, sondern in der Front Row. Das gab's zuvor erst im schlurfigen Berlin. In Reihe eins hatte da die Kostümbildnerin Aino Laberenz während der Modewoche ihre korallenrot lackierten Fußnägel in ihre klassisch blauen Badelatschen geschoben. Geht gar nicht, meinten damals die einen. Der Rest fand's lässig. Und hat recht behalten. Die Adilette, 1972 für den sicheren Tritt im Schwimmbecken, der Duschkabine und der Sauna erfunden, kann im Internet mittlerweile sogar mit einem persönlichen Schriftzug versehen werden. Und ansonsten? Haben alle möglichen Designer reagiert. Und seither 1.001 Schlapfenmodelle produziert.

Allerdings sieht es danach aus, als könne der Schlapfen während der nächsten Berliner Modewoche von seiner kleinen, trittsicheren Schwester abgelöst werden. Die Trekkingsandale wagt sich nämlich wieder einmal ans Tageslicht. Besonders angesagt ist gerade das US-amerikanische Unternehmen Teva.

Das bezirzt derzeit die junge Zielgruppe: Auf Instagram lassen sich schon jede Menge Schnappschüsse mit dem Hashtag #tevaupgrade bewundern. Die Trekkingsandale ist demnach neuerdings auf Festivals zu Hause. Sie hat dem Schlapfen nämlich eines voraus: Sie hält – dank praktischen Klettverschlusses. (Anne Feldkamp, 17.6.2015)

>> Eine Auswahl aktueller Modelle

foto: hersteller
  • Die Adilette hat nach wie vor Hochkonjunktur, auf Festivals ist nun auch die Trekkingsandale daheim.
    foto: adidas

    Die Adilette hat nach wie vor Hochkonjunktur, auf Festivals ist nun auch die Trekkingsandale daheim.

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