Blauer Krieger mit Strache auf dem Kriegspfad

15. Juni 2015, 18:45
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Salzburger Karl Schnell gründet seine eigene Freiheitliche Partei.

In Krisenzeiten läuft Karl Schnell zu Hochform auf. Nach Jahren der Ruhe ist Schnell nach seinem Rauswurf aus der FPÖ durch Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache wieder einmal auf dem Kriegspfad. Klein beigeben war jedenfalls noch nie Sache des 61-jährigen Arztes aus Saalbach.

Schnell ist 1989 der FPÖ beigetreten. Bald darauf ernannte ihn Jörg Haider, für den er bis dahin als Hubschrauberpilot tätig war, zum Generalsekretär der Bundespartei. 1992 übernahm er die Führung der Salzburger Landespartei. Eine Funktion, die "der Charly" 21 Jahre innehaben sollte, bis er sie 2013 abgegeben hat. Im Hintergrund zog er freilich als Klubchef im Landtag weiterhin die politischen Fäden.

Dazwischen die politischen Krisen: 1997 warf der damalige Landeshauptmann Franz Schausberger (ÖVP) Schnell mithilfe der SPÖ aus der Landesregierung. Schausberger ließ sich das Doppelspiel Oppositionspolitik auf der Regierungsbank nicht länger gefallen. Innerparteilich hatte Schnell den Verlust des Regierungsamts überstanden. Enger ist es 1998 geworden. Damals ist ein persönlicher Streit mit einigen seiner Weggefährten so eskaliert, dass die Bundespartei alle Landesfunktionäre ihrer Ämter enthoben hatte. Schnell musste zur Entschuldigung ins Haider'sche Bärental - und durfte bleiben.

Ideologisch ist der Vater von drei Kindern, der neben dem Politjob und seinem Arztberuf auch noch mit seiner Familie das Hotel Glemmtalerhof in Saalbach leitet, das, was man bei den Freiheitlichen "gemäßigt" nennt. Zwar wurde er für seinen Sager über Bundespräsident Thomas Klestil - "Lump ist da noch ein harmloser Ausdruck" - sogar verurteilt, meistens wirkten seine Entgleisungen aber mehr wie eine bewusste Provokation und nicht wie eine ideologische Überzeugung.

So beispielsweise im Wahlkampf für die Landtagswahlen 2013. Als Schnell merkte, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit von der FPÖ abwandte, beklagte er kurz vor dem Wahlsonntag die "Umvolkung" Österreichs. Die Rechnung ist freilich nur bedingt aufgegangen. Die Öffentlichkeit nahm zwar Notiz von der FPÖ, es reichte aber nur für 17 Prozent und Platz vier.

Im Ringen mit Strache blieb ihm nun nichts mehr übrig, als eine eigene Partei, die Freiheitliche Partei Salzburg (FPS), zu gründen. Egal wie die Sache letztlich ausgeht. Für Schnell wird es wohl der letzte große politische Kampf. Bei der Landtagswahl 2018 ist er 64 Jahre alt. (Thomas Neuhold, 15.6.2015)

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