Wie der Wildtierhandel zu stoppen wäre

15. Juni 2015, 21:02
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Der illegale Handel mit geschützten Arten ist ein Milliardengeschäft. US-Wissenschafter schlagen auf Basis von Netzwerkanalysen neue Strategien dagegen vor

Washington/Wien - Es ist buchstäblich ein Milliardengeschäft. Der europäischen Polizeibehörde Europol zufolge werden mit dem illegalen Handel geschützter Tierarten jährlich bis zu 26 Milliarden Euro umgesetzt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2010 kommt er damit an dritter Stelle der Illegalen Geschäfte nach jenem mit Drogen und jenem mit Waffen.

Dank zahlreicher Studien hat in den vergangenen Jahren das Wissen um den Wildtierhandel stark zugenommen. Die bisherigen Versuche zur Verhütung und Kontrolle des lukrativen illegalen Geschäftszweigs blieben aber weitgehend erfolglos. Bei vielen Tierarten hat sich die Lage im Gegenteil dramatisch zugespitzt.

Systemische Herangehensweise

Fielen im Jahr 2004 zehn Nashörner in Afrika Wilderern zum Opfer, so waren es 2014 mehr als hundertmal so viele, nämlich 1100. Deshalb hat man zuletzt auch einige unkonventionelle Vorschläge diskutiert, das Überleben der Tiere zu sichern - etwa durch Abschneiden ihrer Hörner oder durch Legalisierung des Hornhandels.

Ganz andere, nämlich systemische Vorschläge liefert nun eine Forschergruppe um Nikkita Patel von der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Pennsylvania. Die junge Wissenschafterin hat mit ihren Kollegen die Daten von "HealthMap Wildlife Trade" netzwerkanalytisch ausgewertet und auf diese Weise für drei besonders bedrohte Tierarten die wichtigsten Exporteure, Importeure und Zwischenhändler ermittelt.

China als Schlüssel

Insgesamt analysierten sie 232 internationale Sendungen, die Teile von Elefanten enthielten, 165 mit Nashornteilen und 108 mit Teilen von Tigern. Die Lieferungen stammten aus der Zeit von August 2010 bis Dezember 2013. So ließen sich schließlich auch die Schlüsselländer herausfiltern, über die der Handel hauptsächlich abgewickelt wird.

Der Schlüssel zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels liegt der Studie zufolge in China, gefolgt von Thailand. Wenn es möglich wäre, das Land aus dem illegalen Handelsnetzwerk zu "entfernen", könnte ein Großteil der gehandelten Tiger, Nashörner und Elefanten ihr Ziel nicht mehr erreichen, schreiben Patel und Kollegen im Fachblatt "PNAS".

Gezielte Kampagnen

Zur effektivsten Bekämpfung müssten bei jeder der drei Tierarten neben China und Thailand noch weitere vier Länder aus dem Netzwerk entfernt werden, schlussfolgern die Forscher: Bei Elefanten wären das Kenia, Vietnam, die USA und Hongkong, bei Nashörnern Südafrika, Vietnam, Großbritannien und Mosambik, bei Tigern Indien, Laos, Myanmar und Südafrika.

Würden diese Länder aus den illegalen Handelsnetzwerken isoliert, würden rund 90 Prozent der Lieferungen von Elefanten und Nashörnern und sogar 98 Prozent der Lieferungen von Tigern ihr Ziel nicht mehr erreichen. Eine der konkreten Schlussfolgerungen des Forscherteams: Informationskampagnen zum Thema Wildtierhandel sollten sich künftig vor allem auf China, Thailand und die anderen genannten Länder konzentrieren. (tasch, 15.6.2015)

  • Ein Raubkatzenfell kurz vor seiner  Verbrennung - als Maßnahme gegen illegalen Wildtierhandel.  Die  wichtigsten Importeure geschützter Tiere sind asiatische Länder, allen  voran China und Thailand.
    foto: ap/tsering topgyal

    Ein Raubkatzenfell kurz vor seiner Verbrennung - als Maßnahme gegen illegalen Wildtierhandel. Die wichtigsten Importeure geschützter Tiere sind asiatische Länder, allen voran China und Thailand.

  • Diese Netzwerkgrafik bildet den tatsächlichen illegalen Wildtierhandel ab.
    foto: nikkita patel

    Diese Netzwerkgrafik bildet den tatsächlichen illegalen Wildtierhandel ab.

  • So würde das Netzwerk ohne die Schlüsselländer aussehen.
    foto: nikkita patel

    So würde das Netzwerk ohne die Schlüsselländer aussehen.

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