Bosnien lud serbischen Präsidenten vorübergehend aus

15. Juni 2015, 18:02
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Wegen Festnahme von bosniakischem Ex-Militärkommandanten in der Schweiz, soll Nikolic nun nicht am Dienstag nach Bosnein reisen

Sarajevo/Belgrad - Der für Dienstag geplante Besuch des serbischen Präsidenten Tomislav Nikolic in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wird verschoben. Nikolic werde nicht nach Sarajevo reisen, meldete die serbische Presseagentur Tanjug am Montag ohne Angabe von Gründen. Bosnien hatte zuvor wegen Unstimmigkeiten wegen der Festnahme eines bosnischen Ex-Militärkommandanten um eine Verschiebung des Besuchs gebeten.

Das bosniakischen (muslimischen) Mitglied der bosnischen Staatsführung, Bakir Izetbegovic, beantragte am Montag eine Verschiebung des Besuchs. Wie das bosnische Staatspräsidium auf seinem Internetportal mitteilte, begründete Izetbegovic den Antrag mit der Festnahme von Naser Oric, dem Kriegskommandanten der früheren bosniakischen Enklave Srebrenica, vergangene Woche in der Schweiz. Die Festnahme erfolgte auf Grundlage eines serbischen Haftbefehls, was unter den bosnischen Muslimen für Empörung gesorgt hat.

"Besuch trägt nicht zu Zielen bei"

Die serbischen Justizbehörden beantragten am Freitag von der Schweiz die Auslieferung Orics, wie Izetbegovic in seinem Schreiben an die beiden anderen Mitglieder des dreiköpfigen Staatspräsidiums - der Serbe Mladen Ivanic und der Kroate Dragan Covic - kritisierte. Der muslimische Vertreter im Staatspräsidium verwies auf die Vereinbarung der Staatsanwaltschaften Bosniens und Serbiens, die Verfahren für Kriegsverbrechen in dem Land durchzuführen, in dem diese begangen wurden. Man habe erwartet, dass Serbien seinen Verpflichtungen aus der Vereinbarung nachkommen werde bzw. den Fall Oric der bosnischen Justiz überlassen werde, so Izetbegovic.

"Angesichts der neu entstandenen Situation, bin ich der Ansicht, dass der Besuch des Präsidenten der Republik Serbien in Bosnien-Herzegowina in diesem Augenblick nicht zu den Zielen, für die er geplant wurde, beitragen würde", erklärte Izetbegovic. Er schlug vor, den Besuch Nikolics erst nach dem Abschluss des Auslieferungsverfahrens für Oric in der Schweiz, bzw. nach dessen Rückkehr nach Bosniendurchzuführen. In einem Telefonat informierte Izetbegovic am Montagvormittag dann Nikolic über sein Ersuchen, woraufhin dieser seinen Besuch absagte. (APA, 15.6.2015)

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