Nichtauslieferung Bashirs: "Afrikanische Interessen"

Kommentar15. Juni 2015, 17:45
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Die Regierung hat ihren eigenen Ruf als Vorbild weiter beschädigt

Südafrikas Regierung stellte sich dumm: Er wisse leider nicht, ob sich jener Mann, dessen Ausreise ein Richter am Vortag streng untersagt hatte, noch im Land befinde, sagte ihr Anwalt William Mokhari am Montag. Zwar habe man Sudans Präsidenten Omar al-Bashir beim Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Johannesburg nicht mehr gesehen. Dass der des Genozids Verdächtigte vor einer Auslieferung an den Internationalen Strafgerichtshof ICC geflüchtet sei, habe man daraus aber nicht geschlossen. Bashir könne schließlich auch "beim Shopping" sein.

Als das Gericht Stunden später einen Haftbefehl gegen den vermeintlich Gesuchten erließ, war dieser längst über alle Berge. Beim AU-Gipfel darf sich die Regierung nun womöglich dafür feiern lassen, "afrikanische Interessen" gegen eine Institution verteidigt zu haben, die sich in interne Angelegenheiten des Kontinents einmische. Tatsächlich hat sie diesen stark geschadet - mit der Entscheidung, einen Mann ausreisen zu lassen, dem Mitschuld am Völkermord an 300.000 Bürgern gegeben wird; und damit, dass sie ihren eigenen Ruf als Vorbild weiter beschädigt hat.

Das alles wäre vermeidbar gewesen, hätte Südafrika Bashir nicht schon im Vorfeld des Gipfels signalisiert, dass man seine Auslieferung verhindern werde. Dass die Regierung den Eklat - und eine Verfassungskrise im eigenen Land - offenbar sehenden Auges in Kauf genommen hat, hinterlässt vielleicht den bittersten Nachgeschmack. (Manuel Escher, 15.6.2015)

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