Ukraine: Rebellen warnen vor Ausbruch "großen Kriegs"

15. Juni 2015, 17:20
195 Postings

Im Donbass verhafteter Russe will Verteidigungsministerium in Moskau verklagen

Kiew/Moskau - Die Ukraine befinde sich "am Rande eines großen Kriegs", erklärte der Rebellenvertreter Denis Puschilin am Montag. Die Situation könne innerhalb weniger Stunden kippen, warnte er. Tatsächlich kommt die Donbass-Region seit dem Beginn neuer schwerer Kämpfe Anfang Juni nicht zur Ruhe: Am Montag haben ukrainische Militärs alle Straßen zur Rebellenhochburg Donezk abgesperrt. Um die Stadt selbst sind erneut Artilleriegefechte ausgebrochen.

Die Separatisten beschießen dabei die Vororte Peski, Marjinka und Awdejewka, die ukrainische Armee hat die Bezirke nahe des Donezker Flughafens verstärkt unter Feuer genommen. Laut Medienberichten soll bei den Gefechten der bekannte Milizenführer Giwi (Michail Tolstych) schwer verletzt worden sein. Es gibt aber auch viele zivile Opfer. So wurde bereits am Sonntag der 33-jährige AFP-Fotograf Alexander Gajuk in Donezk durch Granatsplitter am Bein verletzt.

Nahe der Donezker Stadtverwaltung protestierten dutzende Anwohner vor dem Regierungsgebäude der "Donezker Volksrepublik" gegen den Beschuss ihrer Häuser. Einheitliche Forderungen äußerten die Demonstranten dabei nicht: Während ein Teil darauf drängte, das ukrainische Militär aus den Vororten zu vertreiben, forderten andere die Rebellen auf, die schweren Waffen aus den Wohngebieten abzuziehen. Daneben musste sich "Premier" Alexander Sachartschenko auch Klagen über die sozialen Probleme der Demonstranten anhören.

Kompromiss und Klage

Derweil kursieren in den Medien Spekulationen über einen neuen Kompromissvorschlag für die Bürgerkriegsregion. Angeblich läuft dieser auf rechtliche Präferenzen für die Regionen Donezk und Luhansk und die gemeinsame Besetzung politischer Posten in der Region durch Kiew und Moskau hinaus. Experten bewerten die Meldung skeptisch.

Offiziell dementieren sowohl die ukrainische als auch die russische Führung Verhandlungen über das Donbassgebiet. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies zudem das Gerücht zurück, Moskau habe eine Vereinigung der "Donezker" und "Luhansker Volksrepublik" als gemeinsames Autonomiegebiet initiiert.

Die von Moskau ebenfalls abgestrittene Beteiligung russischer Soldaten an dem Konflikt in der Ostukraine wird hingegen wohl eine gerichtliche Auseinandersetzung bewirken: Alexander Alexandrow, einer von zwei jüngst in der Ukraine verhafteten Russen, will seinen Status als Angehöriger der russischen Streitkräfte gegenüber dem Verteidigungsministerium einklagen.

"Ich will den Status haben, um als Soldat zu gelten und nicht als Terrorist und Söldner. Immerhin habe ich einen Befehl ausgeführt", sagte Alexandrow. Seinen Angaben nach sei es leicht, seine Zugehörigkeit zum russischen Militär nachzuweisen. Moskau bezeichnet die beiden Gefangenen als Exsoldaten. Offiziellen Angaben nach haben sie im Dezember den Dienst quittiert. (André Ballin, 15.6.2015)

Share if you care.