Griechenland-Diskussion auf ARD: "Die Faxen dicke!"

15. Juni 2015, 17:30
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Griechenland soll bleiben - auch wenn die Deutschen im Moment schlechte Laune haben

Martin Schulz, Präsident des EU-Parlaments, hat "die Faxen dicke!" Schon länger. Seit Monaten gastiert der Sozialdemokrat in deutschen Diskussionsshows und betont, wie sehr er von den Schmähs der griechischen Verhandler "die Faxen dicke" habe. Zuletzt immer lauter. Dennoch ist Schulz gegen den Grexit – jenen Austritt Griechenlands aus dem Euro, den bei Jauch etwa Ökonom Max Otte als "Befreiung" anpries. Das geliehene Geld sei sowieso schon weg. Applaus.

Allerdings bekommt auch der Mann, der die Faxen dicke hat, am Sonntag, da gemeldet wird, die Verhandlungen in Brüssel seien gescheitert, Saalzuspruch. Schulz wirkt mit elastischer Rhetorik wie ein Blitzableiter für die in Deutschland grassierende Griechenwut. Nein, die Verhandlungen seien nicht gescheitert, nur unterbrochen, so Schulz. Jedenfalls habe er mit Tsipras telefoniert, der es daheim ja schwer hat. Unbeschadet dessen habe er, Schulz, ihm gesagt, es sei Zeit, die ausgestreckte Hand anzunehmen! Applaus. Würde man Schulz stundenlang reden lassen, die Stimmung in Deutschland würde kippen.

Leider endete Jauchs Talkrunde zu schnell, und ARD-Nachrichten folgten mit Zuschaltung eines Brüssel-Korrespondenten, der sich offensichtlich von der griechischen Delegation persönlich gekränkt fühlte: "Die hat es auf ein Scheitern der Verhandlungen angelegt! Reformpapiere wurden wieder nicht geliefert! Die Delegation kam auch nicht pünktlich! Als die Vertreter der drei Institutionen auf die Delegation warteten, frühstückten die Griechen in aller Gemütlichkeit im Hotel, hatten überhaupt keinen Grund zu Eile!" Was immer daran stimmen mochte; der Schulz-Effekt war pulverisiert. (Ljubiša Tošić, 15.06.2015)

  • Zwar genervt von den Griechen, sieht Martin Schulz keinen Grund zur Überreaktion.

    Zwar genervt von den Griechen, sieht Martin Schulz keinen Grund zur Überreaktion.

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