Wohnungsdeals bei Gemeinnützigen: "Habe Marktpreise bezahlt"

15. Juni 2015, 16:15
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Karl Wurm wehrt sich gegen Vorwürfe der "Günstlingswirtschaft" und legt Kaufpreise offen

Der Obmann der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft, Karl Wurm, sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Wie die "Presse am Sonntag" berichtete, besitzt Wurm zwei Wohnungen in Gebäuden, die von der gewerblichen Tochterfirma at-home der Genossenschaft Gewog/Neue Heimat, deren Chef Wurm ist, errichtet worden waren. Mehr noch: Die Wohnungen stehen seit dem Kauf durch den Gemeinnützigen-Obmann leer. Rechtlich ist das alles in Ordnung, doch sei es wohl "moralisch unvereinbar", urteilt die "Presse".

Reaktionen aus der Politik folgten auf den Fuß: "Herr Wurm, treten Sie ab!", fordert die Wiener Neos-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger und schreibt in einer Aussendung von "Günstlingswirtschaft". Eine Rücktrittsaufforderung gibt es auch von der linken Plattform "Wien anders". Spitzenkandidatin Juliana Okropiridse fordert außerdem einen "wirklichen kommunalen Wohnbau durch die Stadt selbst - und nicht durch ausgegliederte, gewinnorientierte SPÖ-nahe Genossenschaften". Wiens ÖVP-Chef Manfred Juraczka sieht "skandalöse Machenschaften beim sozialen Wohnbau im rot-grünen Wien".

"Marktpreise bezahlt"

Vom STANDARD um eine Stellungnahme gebeten, wehrt sich Wurm heftig gegen die Vorwürfe und ortet "Wahlkampfgetöse" dahinter. "Ich habe in beiden Fällen Marktpreise bezahlt", stellt er klar. "Beide Wohnungen wurden außerdem als Vorsorge für meine Familie gekauft und auch deshalb noch nicht vermietet."

Im ersten Fall handelt es sich um einen Neubau mit 18 geförderten Miet- und neun freifinanzierten Eigentumswohnungen in der Großen Stadtgutgasse 14 im 2. Bezirk. An der Stelle dieses Gebäudes stand davor ein altes Zinshaus, dessen Eigentümer es zusehends verfallen lassen hatten. "Private Spekulanten, die keinerlei Interesse zeigten, Maßnahmen für die Erhaltung des Gründerzeitbaus zu setzen, sondern nur schnelles Geld machen wollten", schrieb die Rathauskorrespondenz damals.

207.269,20 Euro für 73,24 m²

2003 erwarb die "at-home" die Liegenschaft und begann, den Umbau zu planen. Die Neubebauung wurde von der Stadt mit 1,1 Millionen Euro gefördert, außerdem floss eine Sonderblockförderung der Stadt in Höhe von 120.000 Euro.

Wurm sagt nun, er habe 2008 "vom privaten Bauträger at-home eine nicht geförderte, freifinanzierte Wohnung mit einer Nutzfläche von 73,24 m² zum damaligen Marktpreis von 207.269,20 Euro (ohne Stellplatz) erworben."

510.000 Euro für 107,94 m² mit großer Terrasse

Der zweite Fall liegt ebenfalls in Wien-Leopoldstadt, wo Gewog/Neue Heimat und at-home in der Oberen Donaustraße in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt 192 geförderte Mietwohnungen sowie 113 nicht geförderte, freifinanzierte Eigentumswohnungen errichtet hat. "Ich habe dort vom privaten Bauträger at-home eine nicht geförderte, freifinanzierte Eigentumswohnung mit einer Nutzfläche von 107,94 m² und 76,57 m² Terrasse zum Marktpreis von 510.000 Euro (ohne Stellplatz) erworben", so Wurm.

Der Gemeinnützigen-Obmann weist auch neuerlich darauf hin, dass es seit einiger Zeit in vielen Lagen Wiens wegen der hohen Grundstückspreise gar nicht mehr möglich sei, geförderten Wohnbau zu betreiben, ohne diesen mit freifinanzierten Eigentumswohnungen zu "stützen". "Man braucht anteilsmäßig immer mehr Eigentumswohnungen, damit man den Grundpreis so weit herunterbringt, um unter der Grenze der förderbaren Grundkosten von 250 Euro je Quadratmeter zu bleiben." In beiden Fällen sei der Grundpreis mit den Nebenkosten um einiges höher gelegen, so Wurm zum STANDARD.

Aus diesem Grund brauche es auch die gewerblichen Töchter der Gemeinnützigen, das sein ein Faktum. (mapu, 15.6.2015)

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