Nordkoreanischer Soldat flüchtete direkt nach Südkorea

15. Juni 2015, 16:26
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Pjöngjang: Ende der Militärübungen mit USA ist Bedingung - Seoul ablehnend

Seoul - Einem mutmaßlich nordkoreanischen Soldaten ist die Flucht über die schwer gesicherte innerkoreanische Grenze nach Südkorea gelungen. Der Soldat habe die Grenze nahe der nordöstlich von Seoul gelegenen Grenzstadt Hwachon überquert, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Montag mit.

Nach Militärangaben stellte sich der Nordkoreaner Grenzposten im südlichen Teil der vier Kilometer breiten demilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern als Gefreiter der Volksarmee vor. "Er äußerte dann seinen Wunsch überzulaufen", wurde ein Militärvertreter von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Er sei 19 Jahre alt.

Flucht normalerweise Richtung China

Zwar flüchten aus dem weitgehend abgeschotteten Nordkorea jedes Jahr zahlreiche Menschen vor Hunger oder Unterdrückung durch das stalinistische Regime, doch Fluchtversuche von Soldaten oder Zivilisten direkt über die Grenze nach Südkorea sind selten. In den meisten Fällen fliehen Nordkoreaner über die Grenze nach China, wo sich ein Großteil von ihnen aus Angst vor Abschiebung verbirgt. Viele von ihnen gelangen über dritte Länder nach Südkorea.

Nordkorea kündigte unterdessen an, einen Mann und eine Frau aus Südkorea, die es der illegalen Einreise beschuldigte, in ihre Heimat zurückschicken zu wollen. Die beiden in Nordkorea festgehaltenen Südkoreaner sollen am Mittwoch über den Grenzort Panmunjom zurückgeschickt werden, teilte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul mit. Nordkorea habe erklärt, der 59 Jahre alte Mann und die 51-jährige Frau hätten im Mai illegal die Grenze von China aus überschritten. Nach Angaben des Ministeriums wurden die beiden während einer Reise in China als vermisst gemeldet. Was genau mit ihnen geschehen sei, solle nach ihrer Rückkehr geklärt werden, hieß es.

In Nordkorea werden vier weitere Südkoreaner festgehalten. Anfang Mai hatte Nordkorea erklärt, ein 21-jähriger Student sei im April bei der illegalen Einreise festgenommen worden. Außerdem wirft Nordkorea zwei Südkoreanern Spionagetätigkeiten vor. Im vergangenen Jahr wurde ein Missionar aus Südkorea wegen staatsfeindlicher religiöser Umtriebe zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt.

Neues Gesprächsangebot

Das stalinistisch geführte Nordkorea ließ außerdem wieder einmal mit einem an Bedingungen geknüpften Gesprächsangebot an Südkorea aufhorchen. Es gebe "keinen Grund, einen Dialog und Verhandlungen zu vermeiden, wenn eine Atmosphäre des Vertrauens und der Versöhnung geschaffen wird", hieß es in einer von nordkoreanischen Staatsmedien verbreiteten Regierungserklärung an die Adresse Südkoreas. Damit das gelinge, müsse Seoul "mutige" Schritte gehen und etwa die gemeinsamen Militärübungen mit den USA beenden.

Das südkoreanische Vereinigungsministerium reagierte mit Skepsis auf den Vorstoß. Pjöngjang müsse an den Verhandlungstisch zurückkehren, "ohne unangemessene Vorbedingungen zu stellen". Nordkorea betrachtet die regelmäßigen Militärübungen Südkoreas als Vorbereitung auf eine Invasion und forderte daher bereits mehrfach deren Ende als Vorbedingung für Gespräche. Seoul lehnt das ab.

Zuletzt hatte es zwischen den beiden Ländern, die sich seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 formal weiter im Kriegszustand befinden, im Februar 2014 ranghohe Gespräche gegeben. Noch im selben Monat gab es ein Treffen zur Zusammenführung getrennter koreanischer Familien - das erste seit drei Jahren. (APA, 15.6.2015)

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