Medizinischer Marihuana-Gebrauch ohne Wirkung auf sonstigen Konsum

16. Juni 2015, 07:00
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US-Studie mit Daten von 1,1 Millionen Jugendlichen in 48 US-Bundesstaaten

Der Zugang zu Marihuana für den medizinischen Gebrauch fördert offenbar nicht den Konsum der Droge bei Jugendlichen ohne Bedarf nach solchen Arzneimitteln. Das zeigt eine Studie aus den USA mit den Daten von 1,1 Millionen Jugendlichen in 48 Bundesstaaten. Sie ist in "Lancet Psychiatry" veröffentlicht worden.

Große Studie

Die Autoren um Deborah Hasin von der Abteilung für Epidemiologie der Columbia University in New York haben die Daten von fast 1,1 Millionen Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren über einen Zeitraum von 24 Jahren (1991 bis 2014) hinweg analysiert.

Dabei ging es um die Frage, ob sie in den vorangegangenen 30 Tagen die Droge konsumiert hätten. Die Informationen stammten aus 48 US-Bundesstaaten, wobei seit 1996 23 Bundesstaaten sowie der District of Columbia (Washington) für Patienten legale Möglichkeiten geschaffen haben, Zugang zu Marihuana als Medikament zu bekommen.

Insgesamt zeigte sich, dass in jenen Staaten, in denen Marihuana legal als Arzneimittel erhältlich wurde, ein etwas höherer Konsum bei Jugendlichen zu verzeichnen war - mit angegebenen Konsumquoten von knapp 16 bzw. etwas mehr als 13 Prozent in den vorangegangenen 30 Tagen.

Doch die medizinische "Legalisierung" hatte in den davon betroffenen Bundesstaaten keinen signifikanten Einfluss auf den Marihuanakonsum insgesamt: Die Häufigkeit blieb in 21 Staaten, die in dem Beobachtungszeitraum solche Gesetze in Kraft gesetzt hatten, mit jeweils um die 16 Prozent faktisch gleich. Derartige Studien haben allerdings ein methodisches Problem: Auch wenn die Erhebungen anonymisiert werden, pflegen Menschen über ihren Substanzkonsum zumeist kaum verlässliche Angaben zu machen.

Regionale Gesetzgebung

Wie die Experten feststellen, hat medizinischer Marihuanakonsum offenbar keine nennenswerte Auswirkung auf den Gebrauch der Droge unter Jugendlichen insgesamt. Lokale Gegebenheiten und gesetzliche Regelungen insgesamt dürften aber sehr wohl den Marihuanakonsum insgesamt beeinflussen. In den USA fällt das unter die Gesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten.

Erst vor wenigen Tagen hat die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) bei der Präsentation ihres Jahresberichts für 2014 auf Cannabis als meistbenutzte (illegale) Droge hingewiesen. Der immer höhere THC-Gehalt bei Cannabis & Co. mache ebenfalls neue Probleme. "Die hohen THC-Werte bei in Europa produziertem Cannabis gibt es schon lange. Jetzt ist das auch bei Haschisch aus Marokko der Fall", sagte EMCDDA-Direktor Götz.

Die Konsequenz sei, dass es vermehrt zu Gesundheitsproblemen, vor allem unter jenem etwas unter einem Prozent der erwachsenen Europäer komme, die Cannabis täglich oder fast täglich benutzen. "Ein Drittel jener Patienten, die in Drogenbehandlung gehen, sind Cannabiskonsumenten."

Götz sieht in Europa derzeit kaum Tendenzen in der Politik, Cannabis und andere "weiche Drogen" zu legalisieren. "In den USA gibt es die Situation, dass Cannabis in drei oder vier Bundesstaaten reguliert und relativ frei verkaufbar ist. Mit medizinischem Cannabis geht man zum Beispiel in Kalifornien relativ locker um - mit der Folge, dass dort der typische Schmerzpatient ein Mann mit 34 Jahren ist." (APA, 16.6.2015)

  • Seit 1996 wurde in 23 US-Bundesstaaten der medizinische Gebrauch von Marihuana erlaubt.
    foto: epa/abir sultan israel out

    Seit 1996 wurde in 23 US-Bundesstaaten der medizinische Gebrauch von Marihuana erlaubt.

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