"Blutdichte" bestimmt Risikoverhalten bei Strandkrabben

20. Juni 2015, 11:00
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Je nach Dichte der Hämolymphe zeigen Gemeine Strandkrabben unterschiedliches Verhalten

Wien/Swansea – Krabben haben individuelle Persönlichkeiten, die mit ihrer körperlichen Konstitution zusammenhängen, fand eine österreichische Forscherin heraus. Ob sie in einer neuen Umgebung eher verschreckt oder neugierig sind, komme nämlich auf die Dichte ihres "Blutes" ab, berichtet Ines Fürtbauer vom Department of Biosciences der Swansea University (Großbritannien) in der Fachzeitschrift "Royal Society Open Science".

Die Wissenschafterin sammelte in einer lokalen Bucht dreiundfünfzig Gemeine Strandkrabben (Carcinus maenas). Dann markierte sie die Exemplare individuell und untersuchte nach zwei Wochen Eingewöhnungszeit in Aquarien deren Verhalten und körperliche Unterschiede.

Entscheidende Hämolymphe

Dazu nahm sie den Tieren Hämolymphe ab, auch "Blut der Krebstiere" genannt. Sie versorgt den Körper in einem offenen Kreislaufsystem mit Nährstoffen und hat bei der Abwehr von Krankheitserregern eine ähnliche Funktion wie das Blut von Säugetieren. Die einzelnen Krabben hatten unterschiedliche Werte der Hämolymphe-Dichte (HD), die ein Maß für ihren körperlichen Zustand ist, heißt es in der Studie.

Die HD-Werte blieben bei den Tieren jeweils über einen längeren Zeitraum konstant und verdeutlichten so individuelle Unterschiede – aber nicht nur hinsichtlich ihrer Gesundheit: Je nach Dichte zeigten die Tiere aber auch unterschiedliches Verhalten.

Erster Nachweis bei Wirbellosen

Als die Forscherin die Strandkrabben in einen neuen Behälter mit einem halben Blumentopf als Rückzugsmöglichkeit setzte, hielten sich jene mit hohen HD-Werten länger im oder nahe bei dem Versteck auf, als solche mit geringer Hämolymphe-Dichte.

Damit zeige sich, dass sich die individuellen körperlichen Unterschiede im Risikoverhalten der Tiere widerspiegeln, so die Biologin. Es sei das erste Experiment, das nachweise, dass die Persönlichkeit wirbelloser Tiere auch mit ihrem körperlichen Zustand zusammenhängen kann. (APA, 20.6.2015)

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