Pussy-Riot-Aktivistin Tolokonnikowa erneut verhaftet

15. Juni 2015, 12:35
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25-Jährige protestierte in Sträflingskleidung gegen Haftbedingungen von Frauen

Moskau - Die Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa ist nach einer Protestaktion in Moskau festgenommen worden. Sie und ihre Mitstreiterin Katrin Nenaschewa gingen am Freitag auf den Bolotnaja-Platz im Zentrum Moskaus und nähten dort demonstrativ eine russische Flagge, wie Tolokonnikowa über Twitter mitteilte.

Tolokonnikowa berichtete selbst von Verhaftung

"Ich sitze in einem Polizeiauto", sagte Tolokonnikowa im oppositionellen Radiosender Moskauer Echo am Freitag, nachdem sie im Zentrum der russischen Hauptstadt für eine Verbesserung der Haftbedingungen von Frauen in dem Land demonstriert hatte. Mit ihr sei noch "eine weitere Person" festgenommen worden, sagte Tolokonnikowa, die im sozialen Netzwerk Facebook Fotos ihrer Festnahme veröffentlichte.

Die Aktivistin der regierungskritischen Punkband Pussy Riot hatte sich zusammen mit anderen DemonstrantInnen auf dem Bolotnaja-Platz in Moskau eingefunden, wo sie in Sträflingskleidung eine russische Fahne zusammennähten. Auf dem Platz war es 2012 zu Protesten gegen eine dritte Amtszeit von Präsident Wladimir Putin gekommen, die von heftigen Ausschreitung begleitet wurden.

Unerlaubte Demonstration

Tolokonnikowa wurde eigenen Angaben zufolge wegen einer "unerlaubten Demonstration" festgenommen. Sie sagte, mit der Aktion habe sie Aufmerksamkeit für das Schicksal weiblicher Häftlinge in Russland erregen wollen.

Anfang 2012 war die 25-Jährige zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern von Pussy Riot schon einmal festgenommen worden. In einer Kirche hatten sie ein "Punk-Gebet" abgehalten, in dem sie Putin offen kritisierten. Wegen "Rowdytums" und "Aufwiegelung zu religiösem Hass" wurden die Frauen zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, kamen jedoch im Dezember 2013 nach einer Begnadigung durch Putin vorzeitig frei.

Bezeichnete eigene Haftbedingungen öfter als "Sklaverei"

Tolokonnikowa saß den Großteil ihrer Haftstrafe in einer Strafkolonie für Frauen in der Region Mordowien ab. Wegen der von ihr als "Sklaverei" beschriebenen Haftbedingungen trat sie dort mehrfach in den Hungerstreik. (APA, 15.6.2015)

  • Direkt aus dem Polizeiwagen informierte Tolokonnikowa über ihre Verhaftung und die ihrer Kollegin Yekaterina Nenasheva.

    Direkt aus dem Polizeiwagen informierte Tolokonnikowa über ihre Verhaftung und die ihrer Kollegin Yekaterina Nenasheva.

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