Israelische Künstler erwägen Streik als Protest gegen Regierung

15. Juni 2015, 11:01
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Kulturschaffende diskutierten Reaktionen auf angedrohte Kürzungen

Tel Aviv - Hunderte prominente israelische Künstler und andere führende Vertreter der Kulturszene haben sich am Sonntagabend versammelt, um über Reaktionen auf die harte Linie der neuen rechtsgerichteten Regierung im Kulturbereich zu diskutierten. Der künstlerische Leiter des Jerusalemer Khan-Theaters, Michael Gurewitsch, erntete bei der Zusammenkunft in Jaffa südlich von Tel Aviv tosenden Applaus mit dem Vorschlag, im Falle von Zensur mit einem "Streik aller israelischer Kultureinrichtungen" zu reagieren.

Dies würde Israels internationalem Ansehen schaden, warnte er die Regierung. Andere wie der prominente Anwalt Eli Sohar, der im Vorstand des Gescher-Theater sitzt, rief zum Dialog mit der neuen Kulturministerin Miri Regev auf. Der Theaterschaupieler Oded Kottler verglich Israelis, die bei der Parlamentswahl im März für die Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gestimmt hatten, mit "Vieh". Sie riskierten, dass Israel sich zu einem Land entwickle, in dem die Kultur zum Schweigen gebracht werde.

Mittelstreichungen angedroht

Regev hatte wiederholt mit Mittelstreichungen für Kultureinrichtungen gedroht, "die den israelischen Staat schädigen". Vergangene Woche drohte sie, einem arabisch-jüdisches Kindertheater den Geldhahn zuzudrehen, wenn es sich weigere, in den von Israel besetzten Gebieten im Westjordanland zu spielen.

Weiter angeheizt wurde die Debatte von Bildungsminister Naftali Bennett. Der Chef der nationalreligiösen Partei "Jüdisches Heim" hatte vergangene Woche entschieden, das Theaterstück "Parallelzeit" des arabischen Theaters Almidan (Der Platz) aus Haifa von der Liste der Stücke zu streichen, deren Aufführungen in Schulen vom Bildungsministerium gefördert werden.

Damit setzte er sich über die gegenteilige Empfehlung einer Expertenkommission hinweg. Das Stück basiert auf einer Erzählung, die der arabische Israeli Walid Daka im Gefängnis schrieb, wo er lebenslänglich wegen der Entführung und Ermordung eines Soldaten im Jahr 1984 einsitzt. (APA, 15.6.2015)

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