Weil Blatter alles zuzutrauen ist

14. Juni 2015, 18:40
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Fifa-Boss soll Rücktritt vom Rücktritt planen - Nike angeblich im Visier der US-Bundespolizei

Zürich/Wien - Als habe er Elba verlassen, um wieder die Herrschaft an sich zu reißen - das Gerücht, Joseph S. Blatter könnte nicht wie angekündigt als Präsident des Fußballweltverbandes (Fifa) zurücktreten, verursachte ziemliche Wellen. In die Welt gesetzt hat es die Zeitung Schweiz am Sonntag. Demnach hätten Fußballfunktionäre aus Asien und Afrika Blatter derart inständig zum Umdenken aufgefordert, dass der 79-Jährige voller Rührung tatsächlich damit liebäugelt, seine fünfte Amtszeit voll auszukosten. Ursprünglich hatte er nur knapp 100 Stunden nach seiner Wiederwahl in Zürich seinen Abgang bis spätestens März 2016 versprochen. Der Termin für die Wahl des Nachfolgers steht mit 16. Dezember praktisch schon fest.

Als Indiz für Blatters Wiedergängertum wird der Rücktritt seines Mediendirektors Walter De Gregorio gewertet. Der Schweizer, in den Anfangstagen der aktuellen Fifa-Affäre durch Sarkasmusanfälle aufgefallen, soll die neueste Volte des Chefs einfach nicht mitmachen wollen. De Gregorio habe Blatter im Gegenteil den sofortigen Rückzug nahegelegt.

Rolle rückwärts?

Domenico Scala, der Vorsitzende der Fifa-Compliance-Kommission, sprach sich klar gegen den angeblichen Rücktritt vom Rücktritt aus. "Für mich sind die Reformen das zentrale Thema. Deshalb halte ich es für klar unverzichtbar, den eingeleiteten Prozess des Präsidiumswechsels wie angekündigt umzusetzen", sagte der Schweizer. Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk hält eine Rolle rückwärts des Fifa-Bosses ohnehin für undenkbar. "Das würden auch die Sponsoren und sonst niemand anderes mitmachen. Das weiß Blatter auch", sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International.

Tatsächlich soll Blatter nicht zuletzt auf Druck der Sponsoren des Weltverbandes den baldigen Gang in die Pension gelobt haben. Sportausstatter Nike, nicht Sponsor der Fifa, allerdings etlicher nationaler Auswahlen, ist allerdings durch die einschlägigen Ermittlungen neuerlich ins Visier der US-Justiz geraten. Nach Angaben des Wall Street Journals soll die Bundespolizei FBI mittlerweile untersuchen, ob dem Konzern durch eine bereits bekannte Sonderzahlung von umgerechnet mehr als 36 Millionen Euro im Zusammenhang mit seinem Ausrüstervertrag für Brasiliens Nationalmannschaft ein Fehlverhalten vorzuwerfen sein könnte.

Weder die Staatsanwaltschaft noch Nike bestätigten die Informationen bislang.

19 Jahre danach

Die fragliche Zahlung aus dem Jahr 1996 ist anders als der Name des US-Branchenführers bereits in der Ende Mai veröffentlichten Anklageschrift der US-Behörden gegen insgesamt 14 Beschuldigte erwähnt. Den offenkundigen Absender nannte die Justiz in ihrem umfassenden Dokument damals lediglich "Sportbekleidungsunternehmen A". Die Überweisung erfolgte außerhalb der Vereinbarungen des Vertrages von Nike mit der Seleção. (sid, lü, 14.6.2015)

  • Nike investiert seit 1994 in den Fußball, in Brasilien seit 1996.
    foto: reuters/nicholson

    Nike investiert seit 1994 in den Fußball, in Brasilien seit 1996.

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