Sambo-Kämpfer: Kevin, der Fels

15. Juni 2015, 12:00
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Kevin Cekic hat bei den Europaspielen in Baku den größten Auftritt

Baku/Wien - Die am vergangenen Freitagabend eröffneten European Games in Baku sind nicht für alle teilnehmenden Sportler die ganz große Bühne. Kevin Cekic (23) bot sich aber nie eine größere. Bisher war der Salzburger nur Insidern bekannt. Er teilt dieses Los mit seiner Sport: Sambo. Klingt wie ein lateinamerikanischer Tanz, ist aber eher das Gegenteil davon. Es handelt sich um eine russische Kampfsportart, verwandt mit Judo, Jiu Jitsu und Ringen.

Cekic kam durch Bekannte zum Sambo. Mit 13 fing er an, Kampfsportarten zu betreiben: Mixed Martial Arts, Jiu Jitsu, Boxen, Sambo. Letzteres tat es ihm schließlich am meisten an. Mittlerweile dreht sich bei ihm alles um Sambo. Leben kann er von dem Sport freilich nicht. Von Beruf ist Cekic Hausmeister - in Teilzeit. Er kann sich die Zeit frei einteilen. Das trifft sich gut. Er trainiert täglich.

Cekics bisher größter Erfolg war der siebente Platz bei der Europameisterschaft 2014 in Bukarest. Heuer gewann er einen internationalen Wettkampf in Wien. "Der war stark besetzt", sagt Anatoli Khalkadarov, Sambo-Schiedsrichter und in Baku als Betreuer an Cekics Seite.

Cekic kämpft in der Klasse 100 Kilogramm plus. Er übertrifft die Hundertermarke deutlich. "Der Hunger ist seine Schwäche", sagt Cekics Trainer Alija Dedovic. Sonst habe er keine Schwäche. Cekic profitiert auf der Matte von seiner Kraft. "Er ist wie ein Fels." Wegen seines Gewichts wird er häufig unterschätzt. "Aber wenn die Leute ihn sehen", sagt Dedovic, "springen sie auf." Cekic sei ein Publikumsliebling. "Er wird immer gern gesehen."

Förderer Putin

International geben Sportler aus Ex-Sowjetrepubliken, vor allem aus Russland, den Ton im Sambo an. In Wladimir Putin hat die Sportart einen prominenten Unterstützer. Der russische Präsident betrieb früher selbst Sambo, ehe er zum Judo wechselte. Heute ist Putin Ehrenpräsident des internationalen Verbandes (Fias).

Jahrelang versuchten die Sambo-Vertreter aus ihrer Sportart eine olympische zu machen - ohne Erfolg. Die Dominanz der Russen ist nicht förderlich für eine Aufnahme ins Programm der Sommerspiele. "Ich habe ihnen gesagt, sie können nicht alle Medaillen gewinnen und erwarten, dass andere Nationen den Sport mögen", sagte einst Witali Smirnow, langjähriges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), aus Russland. Die olympischen Ambitionen wurden vorerst aufgegeben. Unter den 26 Bewerbern für die Sommerspiele 2020 in Tokio sind Tauziehen, Sumo-Ringen und Bridge. Aber nicht Sambo.

In Österreich ist Sambo nicht extrem verbreitet. Das Niveau aber steige, sagt Dedovic. Seit 2009 gibt es einen eigenen Verband. Dessen Funktionäre haben ihre Wurzeln in der Ex-Sowjetunion. Die E-Mail-Adressen enden auf ".ru".

Cekic, der Wettkampftyp, kämpft, soviel es geht. "Überall wo ich mitmachen kann, mache ich mit." Vier bis fünf internationale Wettkämpfe bestreitet er im Jahr. In Baku will er nicht nur mitmachen. In der Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan wird Sambo als eine von vier nichtolympischen und eine von insgesamt 20 Sportarten ausgetragen. Frauen und Männer kämpfen in jeweils vier Gewichtsklassen um Medaillen.

Cekic will auch eine. Am Montag, dem 22. Juni, ist sein großer Tag. Eine größere Bühne als in Baku wird sich ihm wohl nicht mehr bieten. (Birgit Riezinger, 15.6.2015)

  • Cekic (rechts) nach dem Erfolg bei den Meisterschaften im Mai.
    foto: sambo austria

    Cekic (rechts) nach dem Erfolg bei den Meisterschaften im Mai.

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