53 Prozent sagen, dass sich das Leben seit 2010 verschlechtert hat

15. Juni 2015, 07:00
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Die Österreicherinnen und Österreicher haben einen immer schlechteren Eindruck von den Zuständen in unserem Land - der Regierung empfehlen sie, sich um Arbeitsplätze zu kümmern statt um die Offenlegung von Konten und Sparbüchern

Linz - 87 Prozent der österreichischen Wahlberechtigten halten es für dringend oder sehr dringend, dass Unternehmer leichter Arbeitsplätze schaffen können. Damit schafft es das Arbeitsplatzthema an die Spitze einer Liste von 23 Themen, die das Linzer Market-Institut im Auftrag des STANDARD 400 Befragten vorgelegt hat.

Ganz am Schluss der in der Grafik dokumentierten Agenda: "Dass jeder seine Konten und Sparbücher der Finanz offenlegen muss." Dies halten nur sieben Prozent für sehr wichtig, 13 Prozent geben dem Vorhaben die Note zwei - aber 43 Prozent lehnen die Idee mit einem "nicht genügend" beziehungsweise dem Hinweis "gar nicht dringend" ab.

64 Prozent: Aufteilung der Flüchtlinge sehr wichtig

Die höchste Zahl an Einstufungen als "sehr wichtig" bekommen die Punkte "dass Flüchtlinge gerecht in der ganzen EU aufgeteilt werden" und "dass Österreich keine Nachteile durch das Handelsabkommen TTIP" erleidet.

Auffallend ist, dass andere Aspekte der Flüchtlings- und Integrationspolitik wesentlich weniger wichtig genommen werden.

Nur 26 Prozent für menschenwürdige Quartiere

So sagen nur 36 Prozent - Frauen deutlicher als Männer -, dass es sehr wichtig wäre, dass anerkannte Flüchtlinge auch rasch integriert werden. Und nur 26 Prozent geben menschenwürdigen Quartieren für alle Asylwerber die höchste Priorität.

Die Grafik verdeutlicht auch, dass einige in der Bundespolitik heftig diskutierte Themen für die Wahlberechtigten kaum Bedeutung haben: So bekommt die geplante Registrierkassenpflicht von einer Mehrheit nur die Noten vier und fünf, ähnlich ist es mit der geplanten Strafbarkeit des Po-Grapschens und dem angekündigten Rauchverbot in der Gastronomie.

Direkte Demokratie

Das Thema direkte Demokratie - formuliert als "mehr Volksbefragungen und Volksabstimmungen" - wird von rund der Hälfte der Befragten als dringend oder sehr dringend eingestuft. Market-Chef Werner Beutelmeyer weist aber darauf hin, dass zwei Gruppen von Befragten dieses Thema besonders wichtig nehmen, nämlich die FPÖ-Wähler und die politisch Unentschlossenen.

Was die Umfrage ebenfalls belegt: Die Österreicher haben einen immer schlechteren Eindruck von den Zuständen in unserem Land.

Nur fünf Prozent sehen Verbesserungen

Sagten im August des Vorjahres noch elf Prozent der Befragten, das Leben wäre jetzt besser als vor fünf Jahren, so sehen jetzt nur noch fünf Prozent eine Verbesserung. Dagegen ist der Anteil jener, die eine Verschlechterung wahrnehmen von 36 auf 53 Prozent gestiegen. Hier sind es besonders die Menschen mit mittlerer Bildung und mit einer Neigung, die FPÖ zu wählen, die hier besonders negative Einschätzungen der Entwicklung abgeben.

In einer anderen Frage wurde der Vergleich mit anderen EU-Ländern angeregt: "Alles in allem gesehen: Steht Österreich aus Ihrer Sicht heute besser da, etwa gleich gut da oder eher schlechter da als andere Staaten der EU?"

Darauf sagten 31 Prozent, Österreich gehe es eher besser, 26 erklärten, es gehe schlechter und für 41 Prozent geht der Vergleich neutral aus.

Auch der EU-Vergleich macht nicht mehr sicher

Auch in diesem Punkt gibt es eine deutliche Verschlechterung. Denn dieselbe Frage war schon im Mai 2013 von Market gestellt worden. Damals - also etwa ein halbes Jahr vor der Nationalratswahl - haben noch 60 Prozent zu Protokoll gegeben, dass es um Österreich besser stehe als um andere EU-Staaten, nur sechs Prozent sagten vor zwei Jahren, dass Österreich im Vergleich schlechter abschneide.

In dieser Frage sind es vor allem die Wähler der ÖVP und der Grünen, die Österreich eine vergleichsweise gute Lage attestieren. Die erklärten Anhänger der Freiheitlichen, aber wiederum auch die politisch nicht Deklarierten sagen überwiegend, dass Österreich schlechter dastehe als andere Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. (Conrad Seidl, 15.6.2015)

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