Neue Bürgermeisterin von Madrid: Manuela Carmena als Speerspitze gegen Korruption

Kopf des Tages14. Juni 2015, 17:04
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71-jährige Ex-Richterin wird die nächsten vier Jahre Spaniens Hauptstadt regieren

Als Bertolt Brecht über die Unentbehrlichen schrieb, hatte er wohl Menschen wie Manuela Carmena im Sinn. Die pensionierte Richterin begann am Samstag mit stolzen 71 Jahren einen neuen Lebensabschnitt. Sie wird für die kommenden vier Jahre Spaniens Hauptstadt Madrid regieren.

Carmenas berufliche und politische Laufbahn begann mitten in der Franco-Diktatur. In den 1960er-Jahren studierte sie Jus in Madrid. Sie engagierte sich in der Studentenbewegung und schloss sich der verbotenen Kommunistischen Partei (PCE) an. Als Arbeitsrechtlerin verteidigte die junge Anwältin Beschäftigte, die mit dem harten Arbeitsregime der Diktatur in Konflikt gekommen waren.

Carmena gehörte zu einem Anwaltsbüro, das 1977, zwei Jahre nach dem Tod Francos, von faschistischen Terroristen überfallen wurde. Fünf Anwälte wurden erschossen. Carmena hatte an jenem Tag außerhalb des Büros zu tun. Das rettete ihr das Leben.

Nach ihrem Austritt aus der PCE begann sie 1981 eine Karriere als Richterin. Die Mitbegründerin des Demokratischen Richterverbandes kämpfte gegen die Korruption in der Justiz, machte sich durch ihr Engagement für die Wiedereingliederung von Gefangenen einen Namen. Als erste Frau wurde sie Dekanin der Richter in Madrid und gehörte dem Rat der Justiz an, der über die Unabhängigkeit der Gerichte wacht. Die Mutter zweier Kinder arbeitete für die Uno als Sonderberichterstatterin der Arbeitsgruppe über willkürliche Haft und wurde mit dem spanischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Als Podemos zum Jahreswechsel auf Carmena zukam, um sie als Spitzenkandidatin für die geplante Bürgerliste Ahora Madrid - Jetzt Madrid - zu gewinnen, zögerte Carmena lange. Seit ihrer Pensionierung schreibt sie viel und unterhält ein Geschäft für Babykleidung, die von inhaftierten Frauen hergestellt wird. All das aufzugeben fiel ihr schwer.

Letztendlich war es nicht die Hartnäckigkeit der Protestpartei, die den Ausschlag gab. Es war der Film "Stein der Geduld" des Franco-Afghanen Atiq Rahimi. Darin geht es um eine starke Frau, die nie aufgibt. Carmena war tief beeindruckt. Nach einer schlaflosen Nacht sagte sie zu. Als Symbolfigur der Hoffnung vieler bezwang sie die Chefin der hauptstädtischen Konservativen, Esperanza Aguirre, in deren engstem politischem Umfeld alle Fäden der Korruption in Madrid zusammenlaufen. (Reiner Wandler, 14.6.2015)

  • Für die pensionierte Richterin Manuela Carmena beginnt als Bürgermeisterin Madrids ein neuer Lebensabschnitt.
    foto: epa/chema moya

    Für die pensionierte Richterin Manuela Carmena beginnt als Bürgermeisterin Madrids ein neuer Lebensabschnitt.

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