Erneut Verbindung zu Minilabor Philae hergestellt

15. Juni 2015, 12:53
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Nach dem Erstkontakt am Samstag sendete der Lander in der Nacht auf Montag wieder Signale - bisher allerdings nur wenige Sekunden lang

Köln/Wien - Fast genau sieben Monate dauerte das Comeback: Nach Funkstille seit November 2014 hat sich der Landeroboter Philae der ESA-Mission Rosetta auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko wieder zurückgemeldet. Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntag in Köln mit.

Das Minilabor habe erstmals am Samstag um 22.28 Uhr Signale und Daten zur mehr als 300 Millionen Kilometer entfernten Erde gesendet. In der Nacht auf Montag gegen 23.30 Uhr erfolgten dann drei weitere kurze Kontakte von jeweils zehn Sekunden, wie Paolo Ferri von der ESA am Montag in Darmstadt mitteilte.

Schon länger aktiv

"Philae geht es gut: Er hat eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und genug Energie", sagt Projektleiter Stephan Ulamec. Der Solargenerator produziere reltativ viel Strom: Derzeit verfüge der Lander über 24 Watt, für die Kommunikation mit Raumsonde Rosetta seien 19 Watt nötig.

Die Auswertung der neuen Daten, die Philae zur Erde sendete, brachte eine Überraschung: Offenbar war das Labor schon früher aufgewacht. "Wir haben auch historische Daten erhalten - bisher war dem Lander allerdings noch nicht gelungen, mit uns Kontakt aufzunehmen", so Ulamec. Woran dies bisher scheiterte, ist noch nicht ganz klar.

Kommunikationsprobleme

"Allerdings gibt es ganz offensichtlich ein Problem mit der Radioübertragung", sagte Ulamec am Montag im Ö1-Morgenjournal. Die Datenübertragung brach nämlich nach etwas mehr als einer Minute wieder ab, gehofft hatte das ESA-Team auf rund zwei Stunden. Vermutlich habe die Sonde Rosetta das betreffende Gebiet nicht überflogen sondern nur gestreift. "Man muss versuchen, dass Rosetta so über dem Lander sitzt, dass die Kommunikation, die geometrische direkte Linie geboten ist."

Das Problem dabei: Die Forscher kennen den präzisen Standort von Philae nach wie vor nicht. Sie orten den Roboter über Radiosignale in einem elipsenförmigen Areal von 100 Metern Länge und 30 Metern Breite. "Wir können den Standort noch nicht präzisieren, weil wir bisher keine optischen Bilder haben", sagte Ferri, der seit 15 Jahren an der Mission mitarbeitet.

Zunehmende Kometenaktivität

Mit 200 Kilometern sei die Raumsonde dafür zu weit weg: "Wr müssen so weit weg bleiben. Die Aktivität des Kometen wächst und wächst, er schickt uns eine Menge Gas und Staub", erklärte Ferri. In den kommenden Wochen müsse die Distanz höchstwahrscheinlich noch vergrößert werden, weil die Aktivität des Kometen mit der Annäherung an die Sonne weiter zunimmt.

Das Rosetta-Team hofft dennoch, durch etwaige Anpassungen der Flugbahn und Ausrichtung der Raumsonde bald längere Kommunikationsverbindungen herstellen zu können und die Datenübertragung fortzusetzen: In Philaes Speichermedien stecken noch weitere 8000 Datenpakete, die Aufschluss darüber geben sollen, wie es Philae in den vergangenen Monaten auf dem Kometen ergangen ist.

Schattiger Landeplatz

Nach zehnjähriger Reise mit der Raumsonde Rosetta war Philae im vorigen November auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko gelandet - allerdings nicht auf dem dafür vorhergesehenen Areal und im Schatten. Wegen Strommangels musste das Minilabor auf Sonne warten, um neue Energie laden zu können.

Philae hatte sich am 15. November 2014 abgeschaltet, nachdem er etwa 60 Stunden auf dem Kometen in Betrieb war. Seit dem 12. März 2015 wurde immer wieder über die Kommunikationseinheit der Raumsonde Rosetta versucht, mit dem Lander Kontakt aufzunehmen. (APA, red, 15.6.2015)

  • Nach zehnjähriger Reise und mehreren Monaten auf Tauchstation hat sich der Landeroboter "Philae" nun zurück gemeldet.
    esa/atg medialab

    Nach zehnjähriger Reise und mehreren Monaten auf Tauchstation hat sich der Landeroboter "Philae" nun zurück gemeldet.

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