Mein Leben als Bollwerk

Kolumne14. Juni 2015, 12:09
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Manchmal meint es das Leben gut mit einem. Vorbei all die Zeit großer Zweifel, der Selbsthinterfragung und der Egozerfleischung. Endlich. Mit großer Freude kann ich nun bekanntgeben, meinen Lebensinhalt endlich gefunden zu haben. Also eigentlich sogar meine Berufung. Überhaupt, ganz unter uns: mein wahres Selbst. Deutschland wurde mal Papst. Österreich Conchita. Und ich werde nun Bollwerk.

Ein Bollwerk hat eine wichtige Aufgabe, ein Bollwerk hat ein breitangelegtes sicheres Fundament, wird geehrt und bedankt und überhaupt. Leider ist der Job des Bollwerks gegen die FPÖ vielen anderen Jobanwärtern wie "Heimat ohne Hass" und anderen engagierten Gruppen von Norbert Darabos bereits quasi vor der Nase weggeschnappt worden, indem er Mitglied der rot-blauen Koalition wurde. Um nach eigenen Angaben ebendort Bollwerk gegen den Koalitionspartner zu sein. Der Ansatz ist ja durchaus interessant, das kann man ausbauen. Ronja Räuberstochter hat es bestimmt so ähnlich gemeint, als sie versprach, sie werde sich vor dem Abgrund hüten und dann lustig an diesem Abgrund hin und her springen ging. Abgestürzt ist dort zwar nie einer. Aber Ronja hat es im Unterschied zu mir und Darabos doppelt gut, sie ist eine literarische Gestalt und wurde von viel gutem Willen ihrer Mutter Astrid Lindgren beschützt. Wer die literarische Mutter von Darabos ist, ist bislang unbekannt.

In Ermangelung einer literarischen informiere ich gerne über die Ansichten meiner leiblichen: Diese erkennt wenig Vorteile darin, Mutter eines Schokoladebollwerks zu sein, schüttelt schon den Kopf und sieht laut eigenen Angaben einen Shitstorm aufziehen.

An dem soll man dann angeblich sitzen und auf die vorbei schwimmenden Feinde warten, aber ich glaube, als Bollwerk hat man Besseres zu tun. (Julya Rabinowich, 14.6.2015)

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