Arbeitslose: AK fordert neue Strategie

14. Juni 2015, 11:04
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Für Neuverteilung der Arbeit - Arbeitslose vor Abgleiten in Armut absichern

Wien - Im Vorfeld des von der Regierung angekündigten Arbeitsmarktgipfels drängen Experten der Arbeiterkammer (AK) auf eine neue Strategie gegen Arbeitslosigkeit. Ein nur symbolischer Gipfel würde weder den vielfältigen Ursachen der inakzeptablen Lage auf dem Arbeitsmarkt, noch der schwierigen sozialen Lage der Betroffenen gerecht werden, argumentieren Markus Marterbauer und Josef Wallner.

Ohne eine neue Verteilung des Arbeitsvolumens durch aktive Arbeitszeitpolitik werde ein Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht zu erreichen sein, so die beiden AK-Experten in einem Beitrag im Blog der AK. Bisher gibt es kein konkretes Datum für den Arbeitsmarktgipfel, der noch vor dem Sommer stattfinden soll.

Neue Jobs schaffen

Zu einer modernen Arbeitszeitpolitik gehöre die Verhinderung unfreiwilliger Überstunden und die Verteuerung der Überstunden für Arbeitgeber (+1 Euro pro Überstunde), weiters eine Einschränkung für All-In-Verträge, neue Möglichkeiten zur individuellen Arbeitszeitverkürzung durch Weiterentwicklung der Kurzarbeit und der kollektivvertraglichen Freizeitoption. Die sechste Urlaubswoche für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ein Recht auf den bezahlten Papamonat sollten ebenfalls eingeführt werden.

Die Wirtschaftspolitik müsse auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Investitionen in Wohnbau, öffentlichen Verkehr und Energienetze ausgerichtet werden, fordern die AK-Experten. Der Ausbau sozialer Dienstleistungen sei dringend notwendig, Krippenplätze, Ganztagsschulen, Pflegeplätze und ein ausreichendes Angebot an Sozialarbeit würden fehlen. Gerade in diesen Bereichen seien besonders hohe Beschäftigungseffekte mit dem Ausbau von Leistungen zu erwarten. Auch Infrastrukturvorhaben im sozialen Wohnbau, den Energienetzen und im öffentlichen Verkehr würden den Wirtschaftsstandort stärken, den Wohlstand erhöhen und Arbeitsplätze schaffen.

Höheres Arbeitslosengeld

Um den Menschen wieder zurück in den Job zu helfen sei der Kampf gegen dauerhafte Arbeitsmarktausgrenzung wichtig, fordern die Arbeiterkämmerer: Das Arbeitsmarktservice (AMS) müsse endlich in die Lage versetzt werden, individuell abgestimmte Betreuungsschritte zu setzen, statt Jobsuchende innerhalb weniger Minuten "abfertigen" zu müssen. Dazu müsste der Betreuungsschlüssel von derzeit durchschnittlich einem Betreuer für 250 Arbeitslose auf höchstens eins zu 140 gesenkt werden. Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sollten ausgebaut werden, ebenso wie Präventionsmaßnahmen, etwa Gesundheitsschutz, und Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem "zweiten Arbeitsmarkt". Das Bonus-Malus-System gegen die Diskriminierung Älterer auf dem Arbeitsmarkt müsse umgesetzt werden.

Schließlich müsse der Gesellschaft auch die Existenzsicherung Arbeitsloser ein Anliegen sein: Fast jeder zweite Arbeitslose könne mit den Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung die laufenden Kosten nicht decken. Unter der Regelung bei der Notstandhilfe, wonach das Partnereinkommen eingerechnet wird, leiden besonders Frauen: 82 Prozent jener, die wegen dieser Anrechnung keine Leistung erhalten, sind Frauen.

Um die materielle Lage der Arbeitslosen zu verbessern brauche es Abhilfe, etwa eine Erhöhung der Ersatzrate beim Arbeitslosengeld von 55 auf wenigstens 60 Prozent. Auch das "Trittbrettfahren" vieler Unternehmen müsse man bekämpfen: Münden Arbeitserprobung, Arbeitstraining und Lohnsubventionen nicht in Arbeitsverhältnisse, die über den Förderzeitraum hinausreichen, so soll dies zu einem Förderausschluss führen. (APA, 14.6.2015)

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