Klimagipfel: Frankreich will zweites Kopenhagen vermeiden

14. Juni 2015, 08:50
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Die Vorbereitungen für Dezember laufen mit Volldampf, im Oktober soll ein Vorabkommen stehen

Wien/Paris - Das Ziel bis zum UNO-Klimagipfel in Paris ist für Frankreichs Botschafter in Wien klar definiert. "Bis dahin müssen wir so viele Probleme lösen wie nur möglich", sagte Pascal Teixeira da Silva. "Wir wollen wirklich vermeiden, was in Kopenhagen passiert ist", sagte da Silva unter Hinweis auf den Gipfel von 2009, der für viele Beobachter im Grunde schon vorab gescheitert war.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius gab Anfang Juni daher bekannt, dass bis zum Oktober ein Vorabkommen angestrebt ist und dass am 20. Juli und am 7. September Treffen auf Ministerebene stattfinden werden. Teixeira da Silva schätzt knapp ein halbes Jahr vor dem Gipfel die gegenwärtigen Bedingungen insgesamt als positiver ein. So werde der Klimawandel inzwischen von der überwiegenden Mehrheit als Tatsache anerkannt, denn eine Beschleunigung der Phänomene sei in allen Ländern feststellbar. Das bewirke eine neue Stimmung, sowohl bei den politisch Verantwortlichen, wie auch in der öffentlichen Meinung.

Mehr und mehr dringliches Problem

Ein dritter Aspekt hat für den Botschafter mit den wirtschaftlichen Chancen zu tun: "Der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht nur ein Zwang, nicht nur ein Problem, das man lösen muss." Er sei ein möglicher Anlass für einen Übergang zu einem grünen Wachstum, zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft, und mithilfe neuer Technologien bietet er die Möglichkeit neuer ökonomischer Chancen.

Doch bis zum Ende des Gipfels im kommenden Dezember sind noch einige Hürden zu nehmen, um ein ehrgeiziges, flexibles sowie ausgewogenes Ergebnis zu erreichen. "Es gibt Probleme, die eine sofortige Lösung benötigen, weil die Verantwortlichen unter Druck der öffentlichen Meinung und der Medien handeln müssen", sagte der Botschafter. Das Risiko, dass man die langfristigen Probleme vernachlässigt, bestünde daher. "Es gibt keinen alternativen Planeten und der Klimawandel wird mehr und mehr ein dringendes Problem", gab Teixeira da Silva zu bedenken - "das ist die Verantwortung der Politik, nicht nur die Probleme des Tages zu lösen, sondern langfristig zu agieren."

Geld für Entwicklungsländer

Noch fehlt für einen erfolgreichen Gipfel ein Vertragsentwurf. "Bonn war die zweite Runde, der Verhandlungsprozess hat ja in Genf angefangen", sagte Teixeira da Silva unter Hinweis auf den Mitte Februar 2015 erstellten ersten Textentwurf für ein geplantes Abkommen zur CO2-Reduzierung. Nachdem bei Runde zwei am vergangenen Donnerstag noch kein endgültiger Vertragstext zustande kam, findet ab 31. August eine weiteres Zusammentreffen in der deutschen Stadt statt. Der Botschafter betonte auch die Wichtigkeit internationaler Treffen, deren Hauptanliegen nicht das Klima ist, wie etwa die Konferenz zur Finanzierung von Entwicklungshilfe vom 13. bis zum 16. Juli im äthiopischen Addis Abeba.

Eine Hürde sollte in den nächsten drei Monaten genommen worden sein, denn bis Ende September soll es soweit sein, dass etwa 90 Prozent der Länder, die für CO2-Emissionen verantwortlich sind, ihre Beiträge zur deren Reduktion vorgelegt haben werden, damit das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann. "Somit kann nach meiner Wahrnehmung das 80 Prozent-Ziel überschritten werden." Dieses 80-Prozent-Ziel nannte EU-Klimakommissar Miguel Arias Canete im Mai. Der wohl wichtigste zu klärende Punkt bleibt noch die Finanzierung der 100 Milliarden Dollar, die ab 2020 jährlich den Entwicklungsländern zugestanden werden sollen.

Für Teixeira da Silva ist es jedenfalls gewiss, dass der Gipfel in Paris mit einem positiven Ergebnis enden muss. "Wenn wir scheitern, ist es zu spät", sagte er. "Ein Misserfolg wäre schlecht, er würde die Dynamik beeinträchtigen und welchen Ausweg hätte man dann?". (APA, 14.6.2015)

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    foto: apa
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