Fuchs: "Diesem Ziel ordnen wir alles unter"

13. Juni 2015, 16:02
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Der Countdown neigt sich dem Ende entgegen. Koller und Fuchs sind vor dem Spiel gegen Russland noch einmal optimistisch

Moskau - Treten Marcel Koller und Christian Fuchs gemeinsam auf, naht das Ereignis. Am Samstag, kurz nach zwölf Uhr, saßen Teamchef und Kapitän im Medienzentrum der Otkrytie Arena. Das ist die schmucke, hochmoderne Heimstätte von Spartak Moskau. Davor steht eine überdimensionale Statue. Naivlinge würden auf Wladimir Putin tippen, es handelt sich aber logischerweise um Spartacus. Die Schar der russischen Journalisten war überschaubar. Moskau ist dieser Tage überhaupt recht leer, die Gehsteige sind hochgeklappt. Am Freitag wurde der Tag Russlands gefeiert, zum 25. Mal. Auf dem Roten Platz fanden Gratiskonzerte statt, das abschließende Feuerwerk erhellte die Stadt und ihre Gemüter. Viele Moskowiter verbringen das Wochenende in ihren Sommerhäusern, den Datschas. Diese Flucht vor dem Ersticken im Moloch hat Tradition.

Fuchs ist hochkonzentriert, positiv angespannt. Schließlich geht es um die Teilnahme an der EM-Endrunde in Frankreich, um die Erfüllung eines kollektiven Traums. "Das wäre etwas völlig Neues, für die Heim-EM mussten wir uns ja nicht qualifizieren. Diesem Traum, diesem Ziel, ordnen wir alles unter. Wir glauben fest an die Realisierung." Welche Eindrücke er von Moskau hat? "Viele, leere Autobahnen, die Leute dürften nett sein. Mehr Eindrücke kann ich nicht anbieten, dabei bleibt es auch." Die Mannschaft sei hier, um einen weitere Teilauftrag zu erledigen. Am Sonntag solle ab 18 Uhr der nächste Schritt gesetzt werden. "Nur darum geht es."

Jäger und Gejagte

Österreichs Fußballteam hat in dieser Qualifikation die Rollen getauscht. Aus dem Jäger, der die Beute knapp oder deutlich verfehlt hat, wurde der Gejagte. Fuchs kann damit sehr gut leben. "Das ändert nichts an unserer Philosophie. Wir betrachten jedes Spiel, als wäre es das letzte." Das Understatement ist quasi einzementiert. "Ich sage, dass Russland der Favorit ist. Ich sage aber auch, dass Russland weit mehr unter Druck steht. Sie liegen fünf Zähler hinter uns." Die Russen sind allerdings seit 21 Heimspielen ungeschlagen, dem ÖFB-Kapitän war diese imposante Serie völlig unbekannt. "Interessant, man kann das ändern." 2010 wurde daheim gegen Belgien mit 0:2 verloren.

Koller fand am Tag davor noch einige Argumente für einen Erfolg der Österreicher. "Die Tabellenführung, das Selbstvertrauen. Wir sind in der Lage, ein Spiel selbst zu bestimmen und haben gelernt, auf sich ändernde Situationen richtig zu reagieren." Es sei taktisch völlig unsinnig, auf ein Remis aus zu sein. "Das wäre zu riskant." Anderseits legte er Wert auf die Feststellung, "dass Russland sehr stark und kampfkräftig ist. Technisch versierte Spieler, die laufen und dribbeln können." Kollege Fabio Capello verzichtet auf Legionäre (es gibt auch fast keine), Koller lebt von ihnen (es gibt sehr, sehr viele). Ob der russische Fußball einer Fehlentwicklung aufliegt? "Nein, ich kenne die russische Liga zu wenig. Aber es dürfte so viel Geld vorhanden sein, dass die Spieler im Land bleiben."

Harnik und die Spekulationen

Am Samstagabend fand in der Otkrytie Arena das Abschlusstraining statt. Martin Harnik ist angeschlagen, über seinen Einsatz wird sehr kurzfristig entschieden. Koller würde den Ausfall des Stuttgart-Legionärs bedauern, er hat aber zumindest eine Alternative (Marcel Sabitzer). Die Startformation könnte so ausschauen: Almer im Tor, Klein, Dragovic, Hinteregger, Fuchs in der Abwehr, Ilsanker und Baumgartlinger im zentralen Mittelfeld, davor Junuzovic, an den Seiten Harnik und Arnautovic, Janko als Spitze.

Russland hielt das Abschlusstraining bereits am Vormittag im alten Torpedo-Stadion ab. 15 Minuten lang durfte zugeschaut werden. Capello ließ die Fußballer zum Aufwärmen Handball spielen. Der Italiener sah ernst bis entschlossen drein, auch sein Personal lachte kaum. Der routinierte Innenverteidiger Sergei Ignaschewitsch (ZSKA Moskau) verpasste diese Einheit, bereits an den vorangegangenen Tagen fehlte er. Sein Ausfall dürfte äußerst wahrscheinlich sein. Koller fragte einen russischen Journalisten, ob er freundlicherweise noch mehr erzählen könne. Er konnte und wollte nicht. (Christian Hackl, 13.6.2015)

  • Lächeln und Optimismus beim ÖFB-Team.
    foto: apa/jäger

    Lächeln und Optimismus beim ÖFB-Team.

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