Europas Spiele mit zweifelhaftem Wert

13. Juni 2015, 13:33
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In Baku wurde die erste Ausgabe der European Games eröffnet. Nur in manchen Sportarten sind die besten Athleten Europas am Start

Baku/Wien - Die Idee war ehrenwert. Europäische Sportspiele wollte man schaffen - ein Olympia nur für einen Kontinent, vergleichbar mit den Asian Games oder den panamerikanischen Spielen. Aber Europa hat schon jede Menge Meisterschaften - natürlich auch für die Leichtathletik, eine der bedeutendsten olympischen Sommersportarten.

Und so waren es auch der Internationale (IAAF) und der europäischen Verband der Leichtathleten (EAA), die sich gegen eine Teilnahme bei den European Games wehrten. Man wollte keine Konkurrenzveranstaltung zur EM haben, zudem störte man sich an der zeitlichen Nähe zu anderen bedeutenden Events. Etwa der Leichtathletik-WM in Peking (22. bis 30. August). Ähnlich argumentierten die Schwimmer, sie wollten keinen noch dichterer Terminkalender. Deren EM steigt ab 24. Juli in Kasan (Russland).

Ohne die beiden olympischen Hauptsportarten wollte das Europäische Olympische Komitee (EOC), das die Europaspiele ins Leben gerufen hatte, aber nicht auskommen. Man fand einen fragwürdigen Kompromiss. In Baku wird es keine erst-, keine zweitklassige Leichtathletik zu sehen geben. Es steigt die dritte Liga des Team-Europacups. Der hätte ohnehin stattgefunden. Nun also im Rahmen der Europaspiele. Gastgeber Aserbaidschan, in Fragen der Menschenrechte höchst fragwürdig, ist in dieser Hinsicht jedenfalls drittklassig - wie Österreich. 46 der 143 österreichischen Teilnehmer in Baku sind Leichtathleten. Zum Beispiel Jennifer Wenth. "Ich will meinen Lauf gewinnen", sagt die 23-Jährige, die über 5000 Meter antritt. Sebastian Steffan (18), Schwimmer, strebt eine Medaille an. Das ist machbar. In Baku steigt die Jugend-EM. Das war der Kompromiss.

"Gewinnen" für Rio

Die Wettkämpfe in anderen Sportarten sind bedeutender. Die Judoka tragen ihre Europameisterschaft, die der Elite, aus, nachdem Glasgow die EM wegen eines umstrittenen Werbevertrags entzogen worden war. Und also ist auch Österreichs Elite ebenso vertreten, wie hoffnungsvoll. "Für mich ist es die einzige und letzte Möglichkeit, an European Games teilzunehmen", sagt Ex-Europameisterin Sabrina Filzmoser (35). Deswegen wollte sie unbedingt dabei sein. Für Tischtennisspielerin Liu Jia (33), ebenfalls Ex-Europameisterin, sind die Europaspiele "ein guter Test für Olympia". Ihr Ziel in Baku? "Gewinnen." Schafft sie das, hat sie ein Ticket für Rio bereits fix. Auch in anderen Sportarten werden Fix- oder Quotenplätze für Rio 2016 vergeben. In manchen gibt es, außer Medaillen, wenig zu holen.

Der Wert einer Veranstaltung mit uneinheitlichen Kriterien ist begrenzt. Die Niederlande sprangen am Mittwoch aus finanziellen Gründen als Gastgeber für die zweiten Spiele 2019 ab. Stattfinden sollen sie. Nur wie und wo, ist unklar. (rie, 13.6.2015))

  • Österreich in Baku.
    foto: reuters/nenov

    Österreich in Baku.

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