Tiere essen: Vortrag an Uni Wien

12. Juni 2015, 19:41
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Carol Helstolsky, Ernährungswissenschafterin an der University of Denver, referiert über die Geschichte und das komplizierte Verhältnis von Essen und Tierrechten

Happy meat, compassionate farming, humane meat - alles Begriffe, die den aktuellen Diskurs um die "richtige" und moralisch vertretbare Ernährung in den USA prägen. Wirft man einen Blick über den Atlantik, so stößt man auf genau dieselben Fragen und Probleme im Bezug auf nachhaltige Land- und Tierwirtschaft wie bei uns, viele sogar noch verschärft. Weil das Thema nach wie vor brennend aktuell ist, referiert am 13. Juni die US-Ernährungswissenschafterin und Historikerin Carol Helstolsky an der Uni Wien über "The modern History of Food and Animal Rights".

Fleisch im Übermaß

"Wirft man einen Blick auf die Geschichte der Menschheit, so ist es ein extrem neues Phänomen, dass wir jeden Tag Fleisch essen", sagt Helstolsky, die an der University of Denver lehrt, im Gespräch mit dem STANDARD. Sie beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem weiten Feld der "food studies", einem Thema, das zuletzt immer wichtiger wurde.

So erzählt sie, dass selbst im ländlich geprägten Colorado, wo sie lebt und arbeitet und wo unzählige Tierfabriken stehen, die "gute Ernährung" immer wichtiger wird. Wiewohl nur für eine bestimmte, überschaubare Gruppe: Ökos, Besserverdienende, Studenten und überdurchschnittlich Gebildete, Linke. Und obwohl der Anteil an Veganern und Vegetariern in den USA "maximal fünf Prozent" betrage, sei die wirtschaftliche und mediale Aufmerksamkeit für diesen Komplex enorm. "Gab es vor 30 Jahren für Vegetarier praktisch nichts im Supermarkt, gibt es jetzt überall eigene Abteilungen, sogar eigene Supermarktketten", sagt Helstolsky, selbst überzeugte Veganerin.

Sie berichtet von Ernährungsempfehlungen mit nach oben korrigiertem Proteinanteil, die von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) ohne ernährungswissenschaftliche Begründung herausgegeben werden, um den Fleischkonsum anzukurbeln. Von dem Trend, dass immer mehr Menschen (Männer) ihre Tiere selbst züchten und schlachten und dass es den Einwohnern der dicht besiedelten Großstadt Denver nun sogar erlaubt ist, eine bestimmte Anzahl Tiere im eigenen Hinterhof zu halten.

Was viele auch tun. Von manchen wird das Schlachten regelrecht zelebriert und auf Instagram und Facebook im Freundeskreis geteilt. Auch daran sieht man: Essen ist längst viel mehr als nur ein Grundbedürfnis und Genussmittel, sondern längst zum Lifestyle, zum Statussymbol und zur Ersatzreligion geworden.

Lange Debatte

Während in den USA der Mainstream-Diskurs mit dem hierzulande eher unbekannten "Fast Food Nation" (Eric Schlosser, 2003) so richtig gestartet ist, hielt er erst einige Jahre später mit den Büchern "Eating Animals" (J.S. Foer, 2009) und "Anständig Essen. Ein Selbstversuch" (Karin Duve, 2011) auch in deutschsprachigen Medien Einzug.

Die Debatte ist mittlerweile wieder etwas abgeflaut, die Unsicherheit seitdem aber eher noch größer geworden. Wie man auch an der immer größer werdenden Zahl an Ernährungsratgebern, und der anhaltend großen Nachfrage nach Bio- und Fleischersatzprodukten sieht. Essen ist längst zu einem Thema geworden, zu dem man eine Haltung hat, haben muss. Und selbst wenn es nur jene ist, sich eben nicht groß Gedanken darum zu machen.

An all jene, die sich aber sehr wohl Gedanken machen, richtet sich Helstolskys Vortrag. Er findet am Samstag, 13. Juni, um 17 Uhr im Neuen Institutsgebäude (NIG) der Uni Wien statt. Um Anmeldung wird gebeten. (Florian Bayer, 12.6.2015)

Weite Infos unter univie.ac.at

  • Tiere essen: Ein Thema, das die Gesellschaft noch weiter beschäftigen wird.
    foto: apa/dpa

    Tiere essen: Ein Thema, das die Gesellschaft noch weiter beschäftigen wird.

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