Dem Blick vom Herrl folgen

13. Juni 2015, 10:40
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Experimente zeigen: Hunde verstehen die menschliche Körpersprache doch besser als gedacht

Wien - Dem Blick einer Person in die Ferne zu folgen ist ein nicht zu unterschätzender Teil menschlicher Kommunikation. Dadurch wird der Informationsaustausch erleichtert und das Verhalten des anderen vorhersagbar.

Im Tierreich hat man diese Fähigkeit bisher bei Primaten, domestizierten Ziegen, einigen Vogelarten, Delfinen, Pelzrobben, Köhlerschildkröten und Wölfen nachgewiesen. Hunde hingegen schienen dazu eher nicht in der Lage zu sein, obwohl sie aufgrund menschlicher Blicke verstecktes Futter oder Spielzeug finden können. Dass sie Blicken auch in die Ferne folgen können, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Lisa Wallis und Kollegen vom Messerli-Forschungsinstitut an der Vetmed-Uni Vienna haben nun untersucht, ob Hunde diese Fähigkeit grundsätzlich nicht besitzen oder ob andere Faktoren diese Fähigkeit beeinflussen. Die Forscher testeten dafür 145 Border Collies im Alter zwischen sechs Monaten und 14 Jahren.

Diese spezielle Auswahl der tierischen Probanden war zwei Annahmen geschuldet: Zum einen vermuteten Wallis und Kollegen, dass Hunde möglicherweise im Laufe ihres Lebens menschliche Blicke zu ignorieren lernen, weil die meisten dieser Blicke für die Hunde keine Bedeutung haben. Zum anderen stellten sie die Hypothese auf, dass Hunde häufig darauf trainiert werden, ihren "Herrln" ins Gesicht zu schauen und auf ein Kommando zu warten. Diese Art des Trainings könnte verhindern, den Blicken in die Ferne zu folgen.

Die Tests mit den Vierbeinern gaben eine ziemlich eindeutige Widerlegung der ersten Hypothese, aber eine Bestätigung der zweiten Vermutung, wie sie im Fachblatt "Animal Cognition" schreiben: Während Alter keinen Einfluss darauf hatte, ob Hunde dem Blick folgen oder nicht, spielte die Ausbildung der Hunde eine große Rolle. Hunde, die länger und intensiver trainiert wurden, folgten dem Blick eindeutig weniger. (tasch, DER STANDARD, 13.6.2015)

  • Ein Border Collie hat etwas gesehen: Hunde folgen dem Blick den Menschen auch in der Ferne - außer er wurde ihnen "abtrainiert".
    foto: ap photo/bebeto matthews

    Ein Border Collie hat etwas gesehen: Hunde folgen dem Blick den Menschen auch in der Ferne - außer er wurde ihnen "abtrainiert".

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