Gerhard Schmid: Unbekannter Hietzinger mit bekanntem Bart

13. Juni 2015, 14:15
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Der neue SPÖ-Parteimanager fällt in seiner politischen Heimat wenig auf

Wien – Hietzing, das ist die ÖVP. Der bürgerliche Bezirk mit dem größten Grünflächenanteil und den nach der Inneren Stadt einkommensstärksten Einwohnern, wird seit Jahrzehnten schwarz regiert. Es ist also nicht allzu verwunderlich, dass der Name Gerhard Schmid erst einmal für ratlose Gesichter sorgt. "Who the fuck is Gerhard Schmid?", fragt etwa ein Lokalgast ungeniert.

Auf die Sprünge hilft meist der Hinweis, dass der 55-Jährige Bundesgeschäftsführer der SPÖ wird und in dieser Funktion Norbert Darabos nachfolgt. "Ah, das ist der mit dem Bart" oder "Ist das der Professor?" gehören dann zu den häufigsten Reaktionen.

Dass der ehemalige Lehrer mit der charakteristischen Gesichtsbehaarung seit 2011 Parteivorsitzender der Hietzinger SPÖ ist, ist weitgehend unbekannt; dass seine politische Laufbahn im 13. Bezirk begann, wo er ab 1976 Vorsitzender der Sozialistischen Jugend war, ebenso.

Zweite Geige

Es ist aber nicht nur seine Person, die im schwarzen Hietzing nicht auffällt, die Bezirks-SPÖ ist insgesamt wenig präsent. "Die SPÖ ist nur zweite Geige", heißt es – sogar die Ergebnisse der Bezirksvertretungswahlen 2010 werden unter den 29,2 Prozent erinnert, die die Roten erreichten: "Die sind gleichauf mit FPÖ und Grünen."

Fragt man die Bezirkspolitiker, fallen die Antworten freilich anders aus. Schmids sachliche Art und seine "Handschlagqualität" werden dort geschätzt. Er sei aber auch sehr zurückhaltend. Projekte, für die er sich im Bezirk einsetzt? Er mache den Mund auf, wenn es um die Aufarbeitung der NS-Zeit geht, sind sich die Chefs aller Bezirksfraktionen einig. Und er habe dafür gesorgt, dass die Zusammenarbeit von Rot, Grün und Blau im Bezirk gut funktioniere.

Bürgerlich versus sozialdemokratisch

Dass ausgerechnet ein Kommunalpolitiker aus einem bürgerlichen Stadtteil Parteimanager der Bundes-SPÖ werden soll, findet FPÖ-Bezirksobmann Günter Kasal deshalb nicht abwegig. Schmid arbeite gut im Hintergrund und sei "vernunftorientiert".

Den bürgerlichen Stempel will man sich bei der Hietzinger SPÖ sowieso nicht aufdrücken lassen: Man versuche zwar auch "konservative Wähler" anzusprechen, sagt Friedrich Unterwieser, Vize der ÖVP-Bezirksvorsteherin, aber man positioniere sich auch mit typisch sozialdemokratischen Themen wie leistbares Wohnen.

Schwarze Bezirkssicht

Kein SPÖ-Kernthema, aber eines, das die Lokalpolitik emotionalisiert, ist die geplante Bebauung des Hietzinger Hörndlwaldes. Ein Bericht des STANDARD gab die – schwarze – Bezirkssicht wieder. Worauf Schmid anmerkte, dass die rote Meinung nicht gehört worden sei. In einem Brief an den STANDARD schrieb er, der Artikel übernehme "unreflektiert die Positionen der ÖVP und FPÖ". Nun wird er sich auf Bundesebene mit beiden herumschlagen.

Der grüne Bezirksklubobmann Johannes Stöckler befürchtet übrigens, dass Schmids Karriere als Parteimanager nicht von langer Dauer sein wird. Sollte Bundeskanzler Werner Faymann stürzen, werde auch Schmid stürzen. (Christa Minkin, 13.6.2015)

  • Das grüne Fleckerl im Hörndlwald, das mit einer Rehaklinik bebaut werden soll, emotionalisiert die Politik im 13. Bezirk.
    foto: michael luger

    Das grüne Fleckerl im Hörndlwald, das mit einer Rehaklinik bebaut werden soll, emotionalisiert die Politik im 13. Bezirk.

  • Der Hietzinger Politiker wird neuer SPÖ-Parteimanager.
    foto: apa/sandra schartel

    Der Hietzinger Politiker wird neuer SPÖ-Parteimanager.

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