Grüne Realitätsverweigerung

Kommentar12. Juni 2015, 17:47
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Wohlfühlen in der Stagnation: Mit Ampelpärchen durch die Randthemen spazieren

Nichts gegen die Ampelpärchen, egal ob hetero oder gleichgeschlechtlich. Die Ampelpärchen sind lieb und nett, genau wie die Grünen, denen wir sie in Wien verdanken. Aber sie sind nicht relevant. Die Ampelpärchen nicht und die Grünen nicht. Das ist ihr Problem.

Die Grünen führen einen witzigen und frechen Wahlkampf, das taten sie im Burgenland und in der Steiermark, das tun sie auch in Oberösterreich und in Wien. Die ernsten Probleme sprechen die Grünen nicht an. Sie setzen auf Charme und Wohlfühlthemen. Damit führen sie einen Wahlkampf an der Realität vorbei. Die Bürger fühlen sich nicht wohl. Sie fürchten sich. Vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor dem Verlust des Wohlstands. Vor den Ausländern. Vor genau diesem Zusammenhang. Die Grünen haben darauf keine Antworten. Sie haben nicht einmal die passenden Fragen dazu. Die Grünen haben Ampelmännchen, hetero und gleichgeschlechtlich. Eh lustig. Aber nicht relevant.

Die Frustration der Bürger über die Reste jener Vereine zur Vertretung ihrer eigenen Machtinteressen, die sich immer noch als Großparteien gerieren, wächst ständig an, und wenn man sich ansieht, wie die Proponenten von SPÖ und ÖVP agieren, dann lässt sich das gut nachvollziehen. Die Regierungsparteien lassen die Menschen in ihren Ängsten und Sorgen allein. Das ist so weit bekannt und wird von diesen nach den entsprechenden Wahlverlusten auch immer wieder offenherzig einbekannt.

Aber sie ändern nichts daran. SPÖ und ÖVP finden keine Sprache und keine Argumente, um mit den Bürgern zu kommunizieren, um ihnen auch Mut zuzusprechen, ihnen ihre Unsicherheit zu nehmen, ihnen Hoffnung und Zuversicht zu geben. Sie finden kein Rezept gegen die FPÖ. Im Gegenteil: Sie treiben der FPÖ in Scharen ihre Wähler zu.

Die FPÖ spricht eine klare Sprache. Im Wesentlichen sagt sie Nein. Das aber deutlich. Dass Neinsagen keine Lösung für irgendetwas ist, mögen auch manche FPÖ-Wähler schon ahnen, aber wenn sie mit der "Ich weiß nicht"-Politik der Regierung konfrontiert sind, sagen sie offenbar lieber und lauter Nein - mangels Alternativen.

Die Grünen stehen irgendwo am Rand und schauen ratlos zu. Sie verweigern die ganz einfachen Antworten, finden aber auch keinen Weg, eine breitere Wählerschicht in deren Lebensrealität anzusprechen. Sie besetzen letztlich nur die Randthemen.

Während die Freiheitlichen im zweistelligen Bereich dazugewinnen, gewinnen die Grünen gerade ein oder zwei Prozentpunkte dazu - und brechen darüber in Jubel aus. Sie begnügen sich mit Stagnation. Sie haben offenbar keinen Anspruch, den Freiheitlichen etwas entgegenzustellen, die drängenden Themen anzusprechen.

Gleiches gilt übrigens auch für die Neos, die drauf und dran sind, sich zu marginalisieren. Inhaltlich befinden sie sich mit den Grünen derzeit in einem Wettstreit, wer vehementer gegen den Überwachungsstaat auftritt. Ein wichtiges und ernstes Thema; aber keines, das die Menschen in ihren tatsächlichen Sorgen und Ängsten berührt. Angesichts von Massenarbeitslosigkeit und Flüchtlingsströmen immer noch ein Luxusproblem.

Wenn die Grünen weiterhin so beharrlich auf ihre Themen setzen, werden sie in 20 Jahren vielleicht eine relevante Kraft sein. Da werden wir aber die vierte und die fünfte Republik schon hinter uns haben, der die Grünen nichts entgegensetzen konnten.(Michael Völker, 126.2015)

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