Europaspiele in Aserbaidschan: Negativwerbung für Baku

Kommentar12. Juni 2015, 17:49
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Aserbaidschan hat sein lausiges Niveau an Menschenrechten in den vergangenen drei Jahren noch unterboten

Für die ersten Olympischen Europaspiele hätte man sich natürlich einen repräsentativeren Austragungsort vorstellen können als die Glitzerstadt eines autokratischen Regimes am Kaspischen Meer - irgendetwas Unverfängliches, mehr in der Mitte des Kontinents. Aber dann ist die Wahl von Baku auch nur symbolisch für das heutige Europa: für die Doppelmoral, politische Inkonsequenz, sein merkantiles Denken. Außerdem war Aserbaidschan der einzige Staat, der bei der Vergabe der Spiele vor drei Jahren aufgezeigt hat. Der Klüngel, der die Gas- und Ölrepublik am Ostrand Europas regiert, hat das Geld und die Ambition dazu. Warum also nachher sich groß beschweren?

Weil Zynismus kein guter Ratgeber ist und Aserbaidschan sein lausiges Niveau an Menschenrechten in den vergangenen drei Jahren auch noch unterboten hat. Zwei Dutzend politische Gefangene verbüßen derzeit lange Haftstrafen, darunter bekannte Bürgerrechtler wie Leyla Yunis oder Anar Mammadi, die sich im ersten Jahrzehnt der Präsidentschaft von Ilham Alijew noch halbwegs frei äußern konnten. Die Vertretung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) - seit den 1990er-Jahren im Land aktiv - ist kurz vor Eröffnung der Europaspiele von ihrem Hinauswurf in Kenntnis gesetzt worden.

Ein Trost bleibt: Aserbaidschan, offizieller "Ostpartner" der EU, Gaslieferant in spe und Europaratsmitglied, produziert mit den Europaspielen viel Negativwerbung. (Markus Bernath, 12.6.2015)

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