Berlin: Bundestag kämpft gegen Cyberangriff

12. Juni 2015, 17:37
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Trojaner kam wohl per E-Mail aus Russland - 20.000 Computer sind betroffen

Zweierlei Szenen waren am Freitag im Deutschen Bundestag zu beobachten: Im Plenum lief business as usual. Die Abgeordneten debattierten über Seenotrettung sowie EU-Asyl und beschlossen pikanterweise ein Gesetz zum Schutz vor Cyberattacken. Wichtige Unternehmen wie Energiefirmen, Banken oder Krankenhäuser müssen Angriffe künftig melden.

Doch auf den Fluren des Bundestages, in der Cafeteria und den Abgeordnetenbüros gab es nur ein Thema: jenen Cyberangriff, der den Bundestag selbst plagt. Wie nun bekannt wurde, ist das Computersystem des Deutschen Bundestages mithilfe von E-Mails angegriffen und mit Schadsoftware infiziert worden.

Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) handelt es sich bei der Schadsoftware um einen Trojaner, der in ähnlicher Form in den vergangenen Monaten schon bei Hackerattacken in mehreren Ländern zum Einsatz kam - etwa beim französischen TV-Sender TV5.

Damals haben sich radikale Islamisten im Namen des "Cyberkalifats" zur Attacke bekannt. In deutschen Sicherheitskreisen geht man jedoch davon aus, dass der Angriff aus Russland kam. So erklärt Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen: "Mein Dienst hat immer wiederholt bestätigt, dass jedenfalls die Cyberangriffe von russischen Diensten hochqualifiziert sind und uns große Sorgen bereiten."

Der Verfassungsschutz hat den Bundestag schon am 12. Mai auf den Angriff aufmerksam gemacht, ist aber erst jetzt in die Aufklärung eingebunden worden. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erklärt, es habe nun seit zwei Wochen keinen Datenabfluss mehr gegeben. Allerdings sei der Angriff auch noch nicht "endgültig abgewehrt und beendet".

Betroffen sind 20.000 Computer, die als Netzwerk organisiert sind. Lammert schließt nicht aus, dass ein "Aufbau von neuen Teilen der Architektur des Netzes" notwendig wird.

Eingestellt wurden hingegen die Ermittlungen wegen des mutmaßlichen US-Lauschangriffs auf das Handy von Kanzlerin Angela Merkel. Der Vorwurf lasse sich nicht gerichtsfest beweisen, teilte der Generalbundesanwalt mit. (Birgit Baumann aus Berlin, 12.6.2015)

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