Frankenrisiko: Bawag kürzte Wiens Kreditlinie

12. Juni 2015, 17:50
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Risikomanagement verlangte Reduktion

Wien - Rund um die Finanzen der Stadt Wien geht es derzeit heiß her. Die Verschuldung wird heuer wegen eines neuerlichen Budgetabgangs die Rekordmarke von fünf Milliarden Euro knacken. Hinzu kommt noch der vom Anstieg des Schweizer Franken ausgehende Zuwachs der Verbindlichkeiten um fast 300 Mio. Euro. Obwohl die Ratingagentur Moody's die Top-Bonität Aaa erst im Dezember bestätigt und den Ausblick auf stabil verbessert hat, fühlen sich manche Geldgeber nicht mehr so wohl.

So hat einer der Paradefinanciers Wiens, die Bawag PSK, im Februar seine Kreditlinie zurückgenommen. Entgegen dem Antrag des Vertriebs bestand das Risikomanagement auf einer Reduktion des internen Überziehungsrahmens um 205 Millionen Euro. Der Kreditantrag stammt vom 28. Jänner - kurz nach der Freigabe des Frankenkurses und der damit verbundenen Erhöhung der Schulden. Die Stellungnahme des Risikomanagements, die dem Standard vorliegt, führte dann zu einer Reduktion des Limits durch den Vorstand. Eine Bawag-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern und berief sich auf das Bankgeheimnis.

Weitere Kunden

Dass die Bawag den Rahmen der Bundeshauptstadt kürzt, ist für Insider aus zweierlei Sicht bemerkenswert: Einerseits ist die Bank im lukrativen Zahlungsverkehr für die Stadt stark engagiert; die Bawag macht neben den Ausleihungen also jede Menge Zusatzgeschäft und würde wohl keine leichtfertige Obligo-Reduktion vornehmen. Andererseits sind Kredite an die öffentliche Hand begünstigt, weil sie nicht mit knappem Eigenkapital unterlegt werden müssen. Auch dieser Aspekt zeigt in den Augen von Branchenkennern, dass die Bawag die Kürzung nicht aus Jux und Tollerei vorgenommen habe.

Aus der Stellungnahme des Risikomanagements erschließt sich freilich auch, dass es sich eher um eine Vorsichtsnahme handelt. Neben dem Top-Rating wird die Einhaltung der Vorgaben des Stabilitätspaktes der Bundeshauptstadt hervorgehoben. Mit Minus versehen die Risikowächter das hohe Franken-Exposure und den Umstand, dass der "Wien-Komplex" bei der Bawag bereits über ein Limit von 1,45 Mrd. Euro verfüge. Neben der Stadt (1,074 Mrd. Euro) sind beispielsweise auch die Stadtwerke und die Holding Bankkunden. (Andreas Schnauder, 13.6.2015)

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