Draußen sein ... mit der Mammut-Kletter-Basisausrüstung

Video14. Juni 2015, 15:00
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Die Top-Kletterin Barbara Bacher erklärt, worauf es beim Sichern ankommt

Bevor sie jetzt empört aufschreien: Ich weiß selbst, dass der "Smart" kein tatsächlich neues Sicherungsgerät ist. Schließlich verwende ich diese - de facto - deppensichere Bremse seit Jahren. Aber: Da gab es diesen einen, kleinen Bug. Nix Ernstes - und nix wirklich Gravierendes. Aber mitunter trotzdem lästig: Jene Öffnung, durch die der Karabiner das Abseil-Dings mit dem Gurt verbindet, war ein wenig eng.

In Kombination mit manchen Karabinern konnte es da hin und wieder zu kleinen "Ruckern" kommen. Wie gesagt: Nix wirklich Böses oder gar Gefährliches - aber in einer Zeit, in der Klettern (immer noch) boomt und daher auch immer mehr weniger Geübte in der Halle oder am Fels unterwegs sind, war das für den Schweizer Alpinkonzern Mammut Grund genug, den "Smart" zu überarbeiten (sprich: mit einer größeren Karabineröffnung auszustatten) und als "quasi neu" anzupreisen.

Sicherungsgerät Smart

Mir passte das perfekt ins Konzept. Schließlich steht Kletterzeug schon lange auf meiner Testblog-Todo-Liste. Und als ich vergangene Woche - wegen einer ganz anderen Geschichte für den STANDARD - im Ötztaler Outdoor-Adventure Park "Area47" dienstlich frische Luft schnuppern war, kam alles zusammen, was ich brauchte: Die "Area" hat einen fetten Klettergarten - zwar nicht am Fels, sondern "nur" den Pfeiler einer Brücke der Ötztalbundesstraße hinauf. Mammut hatte ein Paket mit Test-Zeug zusammengestellt. Und Barbara Bacher hatte Zeit.

Bacher stammt aus dem Ötztal, ist 32 Jahre alt und arbeitet als Spenglerin und Glaserin. Abgesehen davon ist sie aber vor allem eine der besten Wettkampf-Klettererinnen Österreichs, klettert im Nationalteam und gehört dem Mammut-Pro-Kletterteam an. Mir von ihr die Grundausrüstung durchdeklinieren zu lassen, passte also ganz gut.

Basis und absolut unverzichtbar (außer beim bodennahen Bouldern) ist der Klettergurt. "Alpine" Sitzgurte dienen ja nicht nur zur Sicherung, sondern auch als Material-Packesel - und sind dementsprechend massiv und schwer. Für den Hallen- oder Alltagsgebrauch im Klettergarten tut es, erklärte Bacher, aber ein leichter Sportklettergurt meist auch. Der mir von ihr hier gezeigte "Zephira" war so leicht, dass ich ohne An- und Einweisung skeptisch geworden wäre. Aber der Verzicht auf Details, die viele Einsteiger schlicht und einfach nicht brauchen (etwa verstellbare Beinschlaufen), und der Einsatz neuer Materialien macht die "wundervolle Leichtigkeit des Seilens" eben möglich.

Gurt Zephir & Zephira, 100 Euro

Der "Zephira", erklärte Bacher, ist im Gegensatz zum "Zephir", speziell für Frauen designed: "Er sitzt am Becken höher - und auch die Beinschlaufen sind ein wenig anders geschnitten als bei Herren-Gurten." Persönlich bevorzuge sie - speziell im Wettkampf - zwar die weniger komfortabel zu tragenden Gurte für Männer, aber das sei eben ganz individuell. Und oft auch von Marke zu Marke verschieden: "Generell gilt: Man muss mehrere Gurte probieren und dann den nehmen, in dem man sich am wohlsten fühlt - weil man das Ding ja doch ein paar Stunden trägt."

thomas rottenberg

Nach dem Gurt kommt dann die Sicherung. Über die legt man - im Wortsinn - das eigene Leben in die Hände eines anderen Menschen. Das ist an sich schon nicht einfach - und ein immer wieder spannendes soziales Experiment. Und ein Lernprozess.

Abgesehen davon: Menschen machen Fehler. Alle. Immer wieder. Also sind Sicherungsgeräte darauf ausgelegt, diese Fehler - tunlichst - wett zu machen. Oder das Fehlerpotenzial zu minimieren. Der Smart ist deshalb eine meiner Lieblings-Abseilbremsen. Weil "Smart" für "ziemlich deppensicher" steht.

Nur: Natürlich kann man auch dieses Gerät falsch bedienen.

Partner-Check

Darum predigt die Profi-Klettererin mantraartig, auf gar keinen Fall auf Standard-Prozeduren - etwa den Partner-Check - beim "Einbinden" zu verzichten. Auch und gerade in routinierten Seilschaften: "Ich seh oft Dinge, wo mir die Luft weg bleibt. Aber wenn man die Leute drauf hinweist, werden gerade die, die am meisten falsch machen, rasch ungehalten. Viele nehmen einfach nicht zur Kenntnis, dass das zwar ein schönes Spiel ist, aber schon kleine Fehler tatsächlich tödlich enden können."

Das Leben des Kletterers hängt an einem Faden. Ok: Es ist ein Seil. Und zum Glück kann man sich auch drauf verlassen, dass Markenware auch Markenqualität hat. Das gilt selbstverständlich nicht nur für Mammut.

Darauf, dass Mammut vor über 150 Jahren als kleine Seilerei begann, sind die Schweizer mächtig stolz. Dass man heute keine Hanf- sondern Hightech-Seile mit allerlei Veredelungsvefahren gegen Schmutz und Wasser herstellt, die in puncto Abriebfestigkeit und Lebensdauer alle Zertifizierungsansprüche erfüllen, steht für Barbara Bacher im Kleingedruckten.

Wichtig, betont sie, sei, dass man mit Seilen agiert, die gut in der Hand liegen - also weder zu dick noch zu dünn sind. Das uns in der Area zur Verfügung gestellte "9,5 Infinity Dry" sei eines, bei dem für sie die Balance zwischen Durchmesser und Gewicht und Performance passe.

Wesentlichstes Kriterium beim Seilkauf sei aber - wieder unabhängig von der Marke - dass sämtliche Sicherheitzertifizierungen dem Stand der Zeit entsprächen und erfüllt werden.

SEIL 9.5 Infinity Dry 190€

Seile, meinte die Nationalteam-Athletin, könne man aber auch später kaufen: Wer - anfangs - in der Halle oder im Klettergarten nicht im Vorstieg, sondern Top-Rope klettert, könne ohnehin meist die Seile vor Ort verwenden.

Anders sei das aber bei Helmen: obwohl man die in der Regel auch ausborgen könne, käme der Moment, in dem man einen eigenen braucht, rascher als man glaubt. Etwa bei der ersten Tour mit (erfahrenen) Freunden. Oder beim ersten Klettersteig. (dazu ein anderes Mal mehr): "Ich seh immer weniger Leute, die ohne Helm klettern. Gott sei Dank."

Wichtig bei der Helmwahl sei - neben der Erfüllung der gängigen Zertifizierungsnormen: "Erstens: Er muss passen." Zweitens: "Er muss passen." Drittens… Und "passen" bedeute, betont Bacher, "dass man ihn wirklich etliche Stunden aufhaben kann, ohne dass er drückt". Eine gute Belüftung sei da - gerade im Sommer - auch wünschenswert, aber nicht primär. "Und natürlich wäre es fein, wenn der Helm auch gut aussieht und zum Outfit passt. Aber hier geht es zu allererst einmal um Sicherheit - und um sonst gar nix: Klettern ist kein Schönheitswettbewerb." (Thomas Rottenberg, 14.6.2015)

thomas rottenberg
Helm El Cap (70 Euro)

Anmerkung im Sinne der redaktionellen Leitlinien:

Bis auf das "Smart"-Sicherungsgerät wanderten alle vorgestellten Produkte wieder in die von Mammut bestückte Ausrüstungskiste im Wagen von Barbara Bacher. (Das Sicherungsgerät werde ich bezahlen.)

Der Aufenthalt in der Area 47 war eine Einladung der Betreiber des Ötztaler Abenteuer- und Freizeitparks.

Mammut

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    Das wahre Fitnesscenter ist draußen. Und der große Abenteuerspielplatz Outdoor zieht Kinder jedes Alters immer mehr in seinen Bann. Deshalb testet Thomas Rottenberg wöchentlich "Spielzeug", das für Spaß, Sport oder sonst was im Freien gedacht und gemacht ist. Selbst, streng – und subjektiv

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