Auktionen: Dominanz der Zeitgenossen

12. Juni 2015, 17:49
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Die Umsätze im Segment zeitgenössische Kunst steigen seit Jahren sukzessive: auch in der hiesigen Auktionsbranche, bei Kunstmessen allerdings nur im Ausland

Daran, dass die Art Basel einst (auch) deshalb gegründet wurde, weil die Art Cologne auf Wunsch der Veranstalter auf deutsche Aussteller beschränkt bleiben sollte, erinnert man sich kaum noch. Insbesondere, weil diese beiden Formate, gemessen an der ökonomischen Bedeutung, unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die einstige "Gegenveranstaltung" entwickelte sich zum wichtigsten Event, wenn es um den Handel mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts geht. Selbst die Schwesterveranstaltungen in Miami (Dezember) oder Hongkong (März) können umsatztechnisch nicht im Entferntesten mit dem von Teilnehmern beim "Original" Erwirtschafteten mithalten. Das wird auch bei der aktuellen 46. Auflage (18.-21. Juni), die rund 300 aus allen Teilen der Welt anreisende Teilnehmer versammelt, nicht anders sein.

Dass diese Messe vom Schweizer Bankgeheimnis profitierte, ist kein Geheimnis. In welchem Umfang dort gebunkertes unversteuertes Vermögen auf der Art Basel über die Jahrzehnte verprasst wurde, kann man nur mutmaßen. Ein Standortvorteil, der sich auf Druck der EU-Kommission zumindest für europäische Sammler spätestens mit dem automatisierten Datenaustausch ab 2018 erledigt hat.

Hier Rekorde, dort Flaute

Daran, dass zeitgenössische Kunst die weltweit am stärksten gehandelte Gattung ist, wird sich in absehbarer Zeit sowieso nichts ändern. Allein in der Auktionsbranche hält diese Sparte laut Tefaf-Report 2015 einen Anteil von 48 Prozent und summierte sich der Umsatz vergangenes Jahr weltweit auf knapp sechs Milliarden Euro. Der für Österreich ausgewiesene Marktanteil von einem Prozent ist allerdings nur eine Schätzung, da die hiesigen Auktionshäuser nachweislich kein Zahlenfutter für diese Analyse bereitstellten. Im Dorotheum knüpfte man diese Woche jedenfalls an den Erfolg des Vorjahres an: Innert 48 Stunden wechselte dort in zwei Sitzungen Zeitgenössisches zum Gegenwert von 14,14 Millionen Euro den Besitzer. Das höchste je für diese Sparte in der Geschichte des Unternehmens verzeichnete Ergebnis, wovon etwa zwei Drittel auf Klienten aus dem Ausland entfallen dürften.

Geht es um wirtschaftliche Erträge, dann hat die Auktionsbranche hierzulande veranstalteten Messen längst den Rang abgelaufen. Trotz beispielhafter Bemühungen, etwa des einstigen Viennafair- und nunmehrigen Viennacontemporary-Teams. Letzteres veröffentlichte diese Woche eine vorläufige Liste von 94 Ausstellern, die (24.-27. Sept.) erstmals in der Marx-Halle gastieren werden. Etwa 200 Galerien haben sich um eine Teilnahme beworben, eine Jurysitzung findet noch statt.

Umstrukturierung im Hintergrund

Auf Sponsorenebene konnte man neue gewinnen, denn nach der Erste Group war zwischendurch auch die OMV abhandengekommen. Das bisherige "Special Project", erklärt man dort auf Anfrage, wird es 2015 nicht geben. Ausschlaggebend für diese Entscheidung seien - vor dem Hintergrund der aktuellen Ölpreisentwicklung - wirtschaftliche Gründe gewesen.

Zeitgleich kam es im Hintergrund zu einer Umstrukturierung, konkret wurde mit der VC Artevents GmbH eine neue Gesellschaft gegründet, die als Betreiber der Messe fungiert. Die bisherige VF Betriebs GmbH, betont Managing Director Renger van den Heuvel, wird über österreichische Teilhaber eine beratende Funktion behalten. Er meint damit die von Edelbert Köb angeführte Gruppe von rund 50 Sammlern, die sich für dieses Format engagieren. Laut Köb hatte diese Veränderung auch steuerliche Gründe, konkret Verluste in hohem Ausmaß. Messen zu veranstalten, erklärt er, sei kein gewinnbringendes Geschäftsmodell. Woran es konkret krankt? Nun, es braucht eben mehr als nur verbale Unterstützung seitens der Kulturpolitik. (Olga Kronsteiner, 13.6.2015)

  • 965.000 Euro war einem anonymen Käufer diese Woche Enrico Castellanis "Superficie" (1960) wert.
    foto: dorotheum

    965.000 Euro war einem anonymen Käufer diese Woche Enrico Castellanis "Superficie" (1960) wert.

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