Franz Voves und sein rätselhaftes Opfer

Analyse12. Juni 2015, 17:08
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Die SPÖ ist völlig irritiert, warum der steirische Landeshauptmann die Macht abgab

Graz - Wie konnte er nur? Niemand in der SPÖ kann sich erklären, warum Franz Voves den SPÖ-Landeshauptmann-Sessel geopfert und der ÖVP übergeben hat.

Gewöhnliche politische und parteitaktische Erklärungsmuster reichen hier nicht, um diesen rätselhaften Verzicht auf die politische Macht zu begreifen.

Einigermaßen abgesichert ist durch die Angaben mehrerer Beteiligter zumindest einmal der formale Akt: Hermann Schützenhöfer ging nach der schweren Wahlniederlage zu Franz Voves mit der Forderung im Gepäck, er brauche wegen des innerparteilichen Drucks eine Halbzeitlösung in der Landeshauptmannfrage. Herausgekommen ist Schützenhöfer aus dem Gespräch - wohl auch zu seiner eigenen Überraschung - mit einer Vollzeitlösung für die gesamte Legislaturperiode bis 2020.

Was war in Voves gefahren, dass er ohne große Not die Führung des Landes aus der Hand gab? Man kann einmal davon ausgehen: Voves handelte so, weil er eben "der Voves" ist - in Entscheidungssituationen emotional nicht berechenbar, in erster Linie seiner eigenen Wertewelt verbunden.

Zwei ganz dicke Freunde

Diese hatte in den letzten fünf Jahren mit der Person Hermann Schützenhöfer eine neue Dimension bekommen. Er entdeckte ein völlig neues Freundschaftsgefühl. Der SPÖ-Voves und der ÖVP-"Schützi" waren unter dem Dach ihrer gemeinsamen Werkarbeit "Reformpartnerschaft" dicke Freunde geworden. Voves zu 100 Prozent, Schützenhöfer zu 98 Prozent, zwei hielt er sich für die Interessen seiner Partei zurück.

Beide waren beseelt von der Vision, Großes für dieses Land zu leisten, quasi einen historischen Reformauftrag zu erfüllen - nachdem sie beide in der letzten Periode durch permanenten Streit das Land fast in den Ruin getrieben hatten. Die Reformarbeit aber formte sie zu politischen Zwillingen, keiner konnte und wollte ohne den anderen. In offiziellen Aussendungen hieß es nur noch: "Die beiden Landeshauptleute ..."

"Hermann, nimm die ganze Periode"

Als nun Schützenhöfer mit der Halbzeitlösung zu Voves ging, offerierte er auch einen Zusatzwunsch: Er benötigt die zweite Hälfte einer LH-Teilzeit. Sonst käme Klubchef Reinhold Lopatka, der bereits Abgeordnete für ein schwarz-blaues Abenteuer um sich geschart habe. Das gemeinsame Reformprojekt wäre ruiniert. In diesem Moment meldete sich Voves' Bauch sinngemäß in etwa so: "Hermann, dann nimm gleich die ganze Periode, der junge Michael Schickhofer, mein Nachfolger, soll dir zur Seite stehen." Bevor das Land den Blauen und anderen Schwarzen in die Hände falle, soll eben Lebensfreund "Schützi" das gemeinsam begonnene Reformwerk zu Ende führen.

Ob das aber alles so gestimmt hat, was ihm Schützenhöfer über die angeblich akute schwarz-blaue Gefahr erzählt hat, wird Franz Voves wohl nie erfahren. (Walter Müller, 12.6.2015)

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