Wahlkampfmanager Mook: Daten statt Dramen für Hillary Clinton

Kopf des Tages13. Juni 2015, 12:00
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Ein 35-jähriger Altphilologe gilt als Wunderwuzzi in Sachen Wahlkampf – Er soll die frühere First Lady neu erfinden

Richtig glücklich sei Robby Mook (35) nur, wenn er sich hinter seinem Computer verschanzen und durch ein Meer aus Zahlen pflügen kann, heißt es. Seit die Bewerberin für die demokratische Präsidentschaftskandidatur, Hillary Clinton, ihn als Wahlkampfstrategen angeheuert hat, muss er sein natürliches Habitat öfter verlassen, als ihm lieb sein dürfte.

Die politische Neuerfindung einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Frauen der USA soll das Meisterstück des bekennenden Nerds werden, der von Wegbegleitern als charmant und schüchtern beschrieben wird.

Statt auf Drama setzt der studierte Altphilologe aus Vermont auf Daten und Demut. Punktgenaue, von modernster Datentechnologie gestützte Wahlkampfauftritte sind Mooks Markenzeichen. Er will die Abgehobenheit und die Skandale vergessen machen, die Clinton 2008 vorauseilten - und die viele Wähler in die Arme Barack Obamas trieben.

Und auch in der Person Robby Mooks vollzieht sich ein Generations- und Stilwechsel im Geschäft des US-Wahlkampfs, der stets mit harten Bandagen geführt wurde. Während seinen Vorgängern berufsbedingter Narzissmus nachgesagt wird, verfügt Mook weder über einen Facebook- noch einen Twitter-Account, Fotos von ihm sind rar. Der offen schwul lebende Sohn eines Physiklehrers und einer Krankenhausmanagerin achtet darauf, selbst keine öffentliche Person zu sein - bisher jedenfalls.

Nicht wenige halten Mooks Understatement aber auch für Kalkül. Schließlich ist es seine vornehmste und vordringlichste Aufgabe, persönliche Eitelkeiten innerhalb des notorisch zerstrittenen Clinton-Lagers hintanzuhalten.

Mooks Talent, Menschen zu motivieren, fiel erstmals Ex-Parteichef Howard Dean auf, der ihn 2004 für seine - letztlich erfolglose - Präsidentschaftskampagne engagierte. Vier Jahre später organisierte Mook Clintons erfolgreiche Vorwahlkämpfe in Ohio, Indiana und Nevada.

Die große Bühne betrat Mook 2013, als er dem bis dahin glücklosen Clinton-Intimus Terry McAuliffe zum Gouverneursposten in Virginia verhalf. In einem Wahlkampf, der selbst für US-Verhältnisse außergewöhnlich hart geführt wurde, wusste er eiserne Disziplin bei den Demokraten durchzusetzen. Seine 150 engsten Vertrauten, die sogenannte "Mook Mafia", hält er per Mailinglist inklusive derber Wortwahl ("Fuck you, Republicans!") an der kurzen Leine. Der Nerd, er kann auch anders. (Florian Niederndorfer, 13.6.2015)

  • Der 35-jährige Robby Mook managt Clintons Wahlkampf.
    foto: getty

    Der 35-jährige Robby Mook managt Clintons Wahlkampf.

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