Tripolis: Geiselnahme im tunesischen Konsulat

12. Juni 2015, 18:41
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Zehn Mitarbeiter in der Gewalt Bewaffneter - Sieben Tote bei Protest gegen IS-Jihadisten in Derna

Tunis - Bewaffnete haben am Freitag das Konsulat Tunesiens in der libyschen Hauptstadt Tripolis gestürmt und zehn Mitarbeiter der Auslandsvertretung in ihre Gewalt gebracht.

Das Außenministerium in Tunis bezeichnete die Attacke als Angriff auf die Souveränität Tunesiens und Verletzung internationalen Rechts. Vertreter der libyschen Regierung waren zu keiner Stellungnahme bereit. Tunesien ist eines der wenigen Länder, die noch eine diplomatische Vertretung in Libyen betreiben.

Tunesiens Außenministerium bestätigte am Freitagabend den Vorfall im Nachbarland und kündigte umgehend die Einrichtung eines Krisenstabs an. Es teilte nicht mit, welche Miliz für die Entführung in Tripolis verantwortlich sein könnte.

Erst im Mai hatten Milizionäre rund 170 Tunesier in Tripolis festgenommen. Nach intensiven diplomatischen Bemühungen kamen die Gastarbeiter wieder auf freien Fuß.

Vor einem Monat hatten die tunesischen Behörden Walid Kahalib, Mitgllied in der Miliz Fajr Libya, verhaftet. Am Donnerstag erklärte ein Gericht, dass er wegen Entführung angeklagt werden soll und schloss eine Haftentlassung aus.

Sieben Tote bei Protest gegen IS

In Derna sind sieben Teilnehmer einer Kundgebung gegen die jihadistische Organisation "Islamischer Staat" (IS) erschossen worden.

Protest gegen IS in Derna

Die Einwohner der ostlibyschen Hafenstadt protestierten gegen die Präsenz ausländischer Kämpfer, berichtet Reuters.

Laut Augenzeugen marschierten die Demonstranten nach den Freitagsgebeten zu einem IS-Stützpunkt. Von dort aus sei in die Menge geschossen worden. Dabei seien auch rund 30 Menschen verletzt worden.

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen waren zuvor neuen mutmaßliche IS-Mitglieder ums Leben gekommen.

In der Stadt im Osten des nordafrikanischen, arabischen Landes kämpfen mehrere radikal-islamistische Gruppen um die Vorherrschaft. In weiten Teilen Libyens herrscht vier Jahre nach dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi Gesetzlosigkeit. Zwei rivalisierende Regierungen mit eigenen Parlamenten und Truppen bekämpfen sich. Extremistische Gruppen wie der IS nutzen das Chaos aus und versuchen in dem Land Fuß zu fassen. (red/Reuters, 12.6.2015)

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