Champagne warnt vor europäischer Arroganz

12. Juni 2015, 16:37
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Präsidentschaftskandidat aus reichem Teil der Fußball-Welt hätte keine Chance

Der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner will gegen seine Auslieferung in die USA ankämpfen. Er freue sich auf die gerichtliche Auseinandersetzung, sagte der unter Korruptionsverdacht geratene Funktionär aus Trinidad und Tobago bei einer Veranstaltung seiner Partei (Independent Liberal Party). Es werde "ein langer heißer Sommer", ergänzte Warner, der am 9. Juli zu einer ersten Anhörung muss.

Es wird damit gerechnet, dass Warner mit diversen Einsprüchen die Auslieferung bis zu drei Jahre hinausschieben könnte. Warner ist einer von 14 Fußball-Spitzenfunktionären weltweit, gegen die die US-Justiz ermittelt. Die US-Behörden haben einen Auslieferungsantrag für Warner gestellt, der in seiner Heimat nach Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar (2,23 Mio. Euro) frei ist.

Der 72-Jährige war der frühere Chef des Fußballverbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF). Die US-Justiz beschuldigt ihn der Korruption, Verschwörung sowie des organisierten Verbrechens. Warner hat alle Anschuldigungen zurückgewiesen.

Champagne will keine Fußball-G7

Der ehemalige FIFA-Funktionär Jerome Champagne hat von einem zukünftigen, in der Gunst der europäischen Fußball-Elite stehenden, Präsidenten des Weltfußballs gewarnt. Der frühere französische Berufsdiplomat befürchtet eine weitere Spaltung zwischen dem (europäischen) Westen und den restlichen Fußball-Regionen, sollte es demnächst eine FIFA-Spitze, ähnlich jener der G7 in der Politik, geben.

Die G7 ist ein Zusammenschluss der damals sieben führenden Industriestaaten der westlichen Welt. Einen FIFA-Präsidentschaftskandidaten, der bereits in der Gunst des "reichen" Westens stehe, oder zumindest so wahrgenommen werde, würde, so Champagne, die Mehrheit der FIFA-Mitgliedsstaaten nicht unterstützen. "Sie wollen keine G7, die den Fußball leitet. Jemand, der als Führung einer G7 wahrgenommen wird, hat keine Chance", sagte der 56-jährige Franzose.

Europäische Arroganz

Bereits vor einigen Tagen ging Champagne hart mit europäischen Fußball-Funktionären ins Gericht. "Als Blatter 1975 anfing, war die FIFA eine kleine, eurozentristische Organisation, dominiert von weißen Europäern." Im Rest der Fußballwelt "gibt es einen Groll gegen das arrogante angelsächsisch-skandinavische Europa".

Die Kluft zwischen West und Ost wurde zuletzt bei Joseph Blatters Wiederwahl als FIFA-Präsident wieder offenbar: Der Großteil der europäischen Verbände votierte für Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein, Blatter hatte aber das Gros der Stimmen aus Afrika, Asien und der Karibik auf seiner Seite.

Erneute Kandidatur möglich

Champagne, zuletzt erfolgloser Gegenkandidat des nun doch scheidenenden Präsidenten, wiederholte seine Kernbotschaft, wonach die ungerechte Verteilung der Gelder ein Schlüsselelement im derzeitigen Tohuwabohu rund um den Fußball-Weltverband sei. Es gäbe ein Prozent aller Clubs, Verbände, Ligen und Spieler, die über all das Geld verfügten. "Es ist nicht so, dass zu wenig Geld im Fußball ist, das Problem ist die schlechte Verteilung", sagte Champagne. "Wir haben die 20 reichsten Clubs in Westeuropa, mit einem kumulierten Umsatz von 6,2 Milliarden Euro, während mehr als 100 Verbände rund um den Globus mit weniger als zwei Millionen überleben."

Champagne selbst erwäge erneut eine Kandidatur als Präsident: "Natürlich denke ich darüber nach. Ich habe mich noch nicht entschieden, aber ich schließe nichts aus", sagte der ehemalige FIFA-Generalsekretär. (APA, 12.6.2015)

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