"Stopping": Das Geschäft mit der Kapitalismusflucht

13. Juni 2015, 06:15
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Das Paradox der Ruhesuchenden

Das Angebot an meditativen Techniken ist so vielfältig wie das Leben derer, die sich nach Ruhe sehnen. In dem Dokumentarfilm Stopping - Wie man die Welt anhält begleiten die Regisseure Bernhard Koch und Nils Landmark vier Menschen ein Stück weit durch den Alltag, ehe sie ihnen bei den Yoga-, Zen-, Vipassana- und Achtsamkeitsübungen, denen am Feierabend nachgegangen wird, über die Schultern blicken.

Auf diese Weise treten die Gründe hervor, weshalb immer mehr Menschen ihren Ausgleich in der meditativen Versenkung suchen. Das Bedürfnis nach Langsamkeit und innerem Gleichgewicht, das Koch und Landmark als Reaktion auf die kapitalistischen Zwänge unserer Gesellschaft darstellen, hat der Markt aber schon längst für sich entdeckt: Da findet sich eine nach Ausgleich strebende Frau schon einmal auf einem Zen-Event mit mehreren tausend Besuchern wieder. Und der Zuseher merkt recht bald, dass es gar nicht so leicht fällt, zwischen den Weisheiten der Zen-Meister und den Phrasen des Marketings zu unterscheiden.

Stopping zeigt dieses Paradoxon auf, ohne zu kommentieren. Die eingeflochtenen Interviews mit Meditationsgurus wie Marie Mannschatz, Anselm Grün oder Bhante Nyanabodhi ziehen zwar in den Bann, letztlich würde der Film aber durch größere Distanznahme gewinnen. So wirkt er über weite Strecken wie ein Werbefilm, der sich kapitalismuskritisch gibt. (scf, 13.6.2015)

Jetzt im Kino

  • Wie man Spiritualität vermarktet: Autor Anselm Grün in der Meditationsdoku "Stopping - Wie man die Welt anhält".
    foto: polyfilm

    Wie man Spiritualität vermarktet: Autor Anselm Grün in der Meditationsdoku "Stopping - Wie man die Welt anhält".

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