Corea und McFerrin: Musikreflexe im Freundschaftstest

12. Juni 2015, 17:43
1 Posting

Pianist Chick Corea und Sänger Bobby McFerrin spielten im Wiener Konzerthaus

Wien - Auch wenn Virtuosen gerne blödelnde Jungs mimen, müssen sie sich aufwärmen - und am besten funktioniert das mit simplem Blues. Bobby McFerrin falsettiert dann ein paar Phrasen, Chick Corea legt Akkorde drunter. Irgendwann, nach ein paar Musikscherzen und abstrakten Einfärbungen der drei bluesigen "Urseptakkorde", stimmt die Energie. Und es mündet das Ganze im Konzerthaus ernsthaft in Blue Monk.

Das Stück stammt von jenem Komponisten, dessen Ballade Round Midnight später diskret gedeutet wird. Und, ja, Thelonious Monk hätte seine Stücke erkannt. Corea und McFerrin scherzen zwar gerne, sie "übermalen" die Originale jedoch nicht extrem. Bei all der Blödelei - McFerrin sitzt mit Corea gerne am Klavier (man spielt dreihändig) oder zwingt Corea zu Scatgesang, oder man holt sich Singpublikum - geht es letztlich um die hohe Kunst spontaner Neudeutung von Standards.

Improvisatorische Pingpongbälle

Corea hat den einen oder anderen selbst verfasst: Armando's Rhumba oder Spain etwa sind an diesem Abend zugegen. Und deren Motive werden zu Pingpongbällen, die man einander zuwirft. Irritation rhythmischer oder harmonischer Art ist dabei eine Form von Inspiration unter Freunden. Corea und McFerrin testen also die Improvisationsreflexe des Gegenübers.

Und da beide über ausgezeichnete verfügen, wird es ein Abend des unbeschwerten, aber konzentrierten Umgangs mit jazzigen Versatzstücken. Durch überraschende Verdrehungen erlangen sie ihren x-ten Frühling. Wundersamerweise auch abgespielte Stücke wie Autumn Leaves. (Ljubisa Tosic, 13.6.2015)

Share if you care.