Nur keine Anstrengung beim Wohnen

15. Juni 2015, 07:00
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Möbelhändlerin Alexandra Alge wohnt mit ihrer Familie in einem alten Rheintalhaus in Dornbirn

Alexandra Alge sammelt Vintagemöbel und beherrscht die Leichtigkeit des Einrichtens. Wie aus einem alten Dornbirner Rheintalhaus ein strahlend helles Familiendomizil mit Charme wurde, erzählte sie Jutta Berger.

"Bei unserem Haus war es Liebe auf den ersten Blick. Ein stattliches Rheintalhaus aus Holz, geschindelt, gut 100 Jahre alt. Bei der ersten Innenbesichtigung kam das Erwachen: So viele kleine Räume, alle in den 1970er- und 1980er-Jahren verwüstet. Auf den Bodenbelägen waren wieder Bodenbeläge und dann noch einmal Bodenbeläge, überall waren Raufasertapeten, alles war dunkel. Das Stiegenhaus war groß und finster, das WC war im Stadel. Mir war aber auch sofort klar: Aus dem Haus können wir was machen.

foto: christian grass
Alexandra Alge ist eine Sammlerin und steht dazu. Umgeben ist sie von Fundstücken aus einem Zirkus und aus Palermo. Über dem Sofa hängt ein Werk ihres Mannes Ingmar Alge. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Als wir vor 16 Jahren eingezogen sind, war Low Budget angesagt, wir waren ja total jung. Wir haben also unsere Möbel zusammengesammelt, bei Oma und Opa, im Brockenhaus. Fast acht Jahre haben wir so gewohnt, bevor wir mit dem Umbau begonnen haben. Nach diesen Jahren haben wir genau gewusst, wie wir wohnen möchten, welches Zimmer wie genutzt werden kann. Die ersten zehn Jahre haben wir mit dem alten dunkelbraunen Täfer gewohnt. Dann haben wir alle Wände und Decken weiß gestrichen.

Inzwischen waren auch unsere beiden Kinder dazugekommen, die Bedürfnisse hatten sich verändert. Viele Menschen bauen ja ein Haus für die momentane Situation und vergessen, dass die Kinder wieder ausziehen werden, dass sich die Wohnbedürfnisse im Lauf der Jahre verändern. An unserem Haus hat uns gefallen, dass es wandelbar ist.

So haben wir am Anfang im Erdgeschoß zwei kleine Wohnungen eingerichtet. Die haben wir dann an Studenten und Schüler vermietet. So hatten wir nette junge Leute im Haus und Mieteinnahmen. Dann sind die Kinder gekommen, aus einer Wohnung wurde ein Spielzimmer, die andere war und ist für die Au-pair-Mädchen.

Heute ist das Spielzimmer quasi unser Wintergarten. Dazu war die einzige große Veränderung an der Bausubstanz notwendig: Wir ließen zwei große Terrassentüren aus der Wand brechen. Wir grillen für unser Leben gerne, bei jedem Wetter! Wenn's kühler ist, essen wir dann drinnen. Die blauen Holzsessel auf der Terrasse und im Wintergarten kommen aus einem Zirkus, die begleiten uns schon lange. Den Gartentisch und die Hocker haben wir in Palermo, bei einem Tischler, der Fundholz verarbeitet, entdeckt. Für unsere Gartenmöbel hat er Holz einer Papstbühne verwendet.

Unsere Möbel sind kunterbunt zusammengewürfelt: Für das wunderschöne grüne Sofa hatte die Besitzerin keinen Platz mehr. Es ist sicher 100 Jahre alt und das gemütlichste Stück, das wir jemals hatten. In der Küche stehen zwei Holztische aus einem Bregenzer Gasthaus, die hat mein Mann mit Wasserstoffperoxid gebleicht. Die Eckbank dazu ist neu, die Rückenlehnen sind aus Corian, einem sehr robusten Mineralwerkstoff. Die Küchenmöbel müssen einiges aushalten, hier wird ja auch gemalt und gebastelt.

Eines meiner Lieblingsstücke ist der schwarze Esstisch, ein richtig schönes italienisches Möbel aus den 50er-Jahren, könnte ein Carlo Mollino sein. Aber ich bin da vorsichtig mit der Zuordnung, weil aus der Zeit nicht alles dokumentiert ist. Die Sessel dazu sind von Osvaldo Borsani, aber daneben steht ein alter Appenzeller Kasten. Dinge miteinander zu verbinden, das bedeutet für mich Wohnen. Es soll alles leicht und locker sein, nur keine Anstrengung beim Wohnen!

Als Sammlerin häng ich an jedem Stück, durch meinen Beruf muss ich mich aber immer wieder von schönen Dingen trennen. Ich hab aber eine Lösung für das Dilemma gefunden: Wenn ich eine Zeitlang mit den Möbeln lebe, kann ich mich dann besser von ihnen trennen. Eine eigenartige Einstellung für eine Händlerin, oder?" (Jutta Berger, 13.6.2015)

Alexandra Alge (44) stammt aus dem Bregenzerwald. Dort startete sie gleich nach der Matura ihr Berufsleben als Inhaberin einer Bar. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zu alten Möbeln und schönen Dingen. Sie wechselte von der Gastronomie zum Wohnen, machte ihre Sammelleidenschaft zum Beruf. Heute handelt sie mit Vintage-Möbeln, bevorzugt Mid-Century-Design aus Italien. Mit ihrem Mann, dem Künstler Ingmar Alge, und den Töchtern Helena (11) und Stella (9) lebt sie im Dornbirner Oberdorf in einem liebevoll renovierten Rheintalhaus. (jub)

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moebelagentur-alge.at

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